
GBA-Innovationsausschuss fördert transsektorales Sepsis-Projekt „optiSEP“ mit 7,5 Millionen Euro
Leipzig / Magdeburg / Essen / Göttingen / Aachen, 12. Januar 2026 – Pünktlich zum Start des gesetzlichen Qualitätssicherungsverfahrens „Diagnostik und Therapie der Sepsis“ zum 1. Januar 2026 erhält das Universitätsklinikum Leipzig (UKL) eine bedeutende Förderzusage: Der Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) unterstützt das Forschungs- und Versorgungsprojekt „optiSEP – Transsektorale Optimierung der Versorgungsprozesse bei Sepsis auf Basis von interoperablen Routinedaten“ mit 7,5 Millionen Euro über einen Förderzeitraum von 42 Monaten. Als Konsortialführung fungiert Dr. Alexandra Ramshorn-Zimmer, Leitung des Klinischen Prozessmanagements am UKL, die gemeinsam mit einem interdisziplinären Expertenteam neue Maßstäbe in der Sepsisversorgung setzen möchte.
Sepsis gehört mit jährlich rund 75.000 Todesfällen in Deutschland zu den häufigsten vermeidbaren Todesursachen. Trotz verschiedener Qualitätsinitiativen bestehen weiterhin Defizite in Prävention, frühzeitiger Erkennung, Therapie und Nachsorge. Hier setzt das optiSEP-Projekt an: Es soll die Versorgung von Sepsispatient:innen sektorenübergreifend verbessern, indem Versorgungsdaten aus allen Behandlungsphasen digital und interoperabel verknüpft werden. Datenbasierte Entscheidungshilfen und die gezielte Anwendung moderner Diagnostikverfahren – insbesondere der Next-Generation Sequencing (NGS)-basierten molekularen Erregerdiagnostik – sollen helfen, Sepsis noch früher zu erkennen, Erreger präziser zu identifizieren und die antiinfektive Therapie noch zielgerichteter zu steuern. Zugleich sind in optiSEP eine effiziente Qualitätssicherung und ein patientenzentriertes Nachsorgekonzept inkludiert, um Langzeitfolgen einer überstandenen Sepsis abmildern zu können. Standardisierte Behandlungspfade und moderne didaktische Konzepte sollen gewährleisten, dass im Rettungsdienst, in der Notaufnahme, auf der Intensivstation und in der Rehabilitation alle Beteiligten einheitlich nach den kürzlich umfassend überarbeiteten evidenzbasierten Sepsis-Leitlinien handeln.
Das Projekt ist aus der intensiven Zusammenarbeit verschiedener wissenschaftlicher Sektion der DIVI e. V. entstanden, nutzt die Erkenntnisse und Erfahrungen des erfolgreich abgeschlossenen Vorgängerprojekts DigiSep und fußt auf der NUM-geförderten AKTIN-Infrastruktur als elementarer Grundlage, um interoperable Versorgungsdaten standardisiert sektorenübergreifend zu verknüpfen. Damit adressiert optiSEP ein zentrales Problem in der Akut- und Notfallversorgung: die bislang häufigen Informationsverluste an sektoralen Schnittstellen – etwa zwischen Rettungsdienst, Notaufnahme, Intensivstation und Rehabilitation.
In einem zweistufigen Wettbewerbsverfahren konnte das Konsortialkonzept die Gutachter:innen des Innovationsausschusses überzeugen. Mit einem Fördervolumen von 7,5 Mio. Euro kann das Konsortium seine Arbeit ab September 2026 vollumfänglich aufnehmen. Angesichts der kürzlich beschlossenen Halbierung des Innovationsfonds-Budgets für 2026 unterstreicht die Bewilligung von optiSEP die hohe Relevanz der avisierten Projektziele.
Das optiSEP-Konsortium vereint ausgewiesene Expertinnen und Experten aus Intensivmedizin, Notfallmedizin, Infektiologie und Medizininformatik. Unter der Konsortialführung des Universitätsklinikums Leipzig leiten Herr Univ.-Prof. Dr. Thorsten Brenner (Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin, Universitätsklinikum Essen), Frau Univ.-Prof. Dr. Sabine Blaschke (Ärztliche Leitung Zentrale Notaufnahme Notaufnahme, Universitätsmedizin Göttingen), Herr Univ.-Prof. Dr. Felix Walcher (Direktor des Instituts für Public Health in der Akutmedizin, Universitätsmedizin Magdeburg) und Herr Univ.-Prof. Dr. Rainer Röhrig (Direktor des Instituts für Medizinische Informatik, Universitätsklinik RWTH Aachen) das gemeinsame Projekt. Diese interdisziplinäre Zusammensetzung stellt sicher, dass alle Aspekte der Versorgungskette – von der präklinischen Notfallversorgung bis zur Nachsorge – berücksichtigt werden.
„Sepsis kennt keine Sektorengrenzen“, betont Univ.-Prof. Dr. Felix Walcher. „Für eine erfolgreiche Behandlung müssen Rettungsdienst, Notaufnahme, Intensivstation und Rehabilitation nahtlos ineinandergreifen. Das Konsortium bringt die interdisziplinäre Expertise zusammen, um mit modernen Methoden – von datengestützten Entscheidungshilfen bis hin zu standardisierten Behandlungspfaden – die Sepsisversorgung transsektoral und nachhaltig zu verbessern.“
Mit optiSEP entsteht somit ein Leuchtturmprojekt, das in der Praxis etablierte Forschungsinfrastrukturen, Spitzenforschung und praxisnahe Versorgungsinnovation verbindet. So unterstreicht Dr. Alexandra Ramshorn-Zimmer „optiSEP steht für einen Paradigmenwechsel in der Akutmedizin und auch in der Qualitätssicherung – datenbasiert, sektorenübergreifend und patientenzentriert. Was wir hier für Sepsis erproben, kann künftig auch anderen Indikationen zugutekommen.“
Pressekontakt
Universitätsmedizin Essen
Burkhard Büscher
Konzernkommunikation
Tel.: 0201/723-2115
Mobil: 0151/117 31306
burkhard.buescher@uk-essen.de
www.uk-essen.de
Über die Essener Universitätsmedizin Die Essener Universitätsmedizin umfasst das Universitätsklinikum Essen sowie 15 Tochterunternehmen, darunter die Ruhrlandklinik, das St. Josef Krankenhaus Werden, die Herzchirurgie Huttrop und das Westdeutsche Protonentherapiezentrum Essen. Die Essener Universitätsmedizin ist mit etwa 1.700 Betten und rund 11.000 Mitarbeitenden das führende Gesundheits-Kompetenzzentrum des Ruhrgebiets. Mit dem Westdeutschen Tumorzentrum, einem der größten Tumorzentren Deutschlands, dem Westdeutschen Zentrum für Organtransplantation, einem international führenden Zentrum für Transplantation, in dem unsere Spezialisten mit Leber, Niere, Bauchspeicheldrüse, Herz und Lunge alle lebenswichtigen Organe verpflanzen, sowie dem Westdeutschen Herz- und Gefäßzentrum, einem überregionalen Zentrum der kardiovaskulären Maximalversorgung, hat die Universitätsmedizin Essen eine weit über die Region reichende Bedeutung für die Versorgung von Patientinnen und Patienten. Wesentliche Grundlage für die klinische Leistungsfähigkeit ist die Forschung an der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen mit ihrer Schwerpunktsetzung in Onkologie, Transplantation, Herz-Gefäß-Medizin, Immunologie/Infektiologie und Translationale Neuro- und Verhaltenswissenschaften.
