Transplantation


Liebe Leserinnen und Leser,

 

die Summe wertvoller Erfahrungen, die unsere Klinik auf dem Gebiet der Transplantation vorweisen kann, hat uns zu einem international führenden Zentrum gemacht. 

Wir transplantieren Niere, Leber sowie Bauchspeicheldrüse. Mehr als 3.000 Nieren und 1.800 Lebern sind in Essen bereits verpflanzt worden.

 

Neue Erkenntnisse und Verfahren erlauben der heutigen Transplantationsmedizin Erfolge, die vor Jahren noch nicht vorstellbar gewesen wären. Die systematische Stärkung und Entwicklung dieses klinischen und wissenschaftlichen Schwerpunktes hat sich ausgezahlt. Die Qualität unserer Operationen steigt weiter kontinuierlich an, die Überlebensrate nach Operationen ebenso. Dass dies so ist, liegt sicherlich auch an der engen Kooperation vieler hochkarätiger Experten.

 

Da auch zukünftig nicht die Bereitschaft wesentlich wachsen wird, Organe nach dem Tode zu spenden, haben wir die Lebendspende zu einem unserer Schwerpunkte entwickelt. Damit wir mit neuen Forschungsresultaten weiter erfolgreich heilen können, leiten wir eine von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Klinische Forschergruppe (KFO 117). Diese beschäftigt sich als einzige in Deutschland mit der "Optimierung der Leberlebendspende". Der Wille zur Innovation wird weiter unser Handeln bestimmen. 

 

Bereits 1987 erfolgte die erste Transplantation einer Leber in Essen. Seit dieser Zeit ist das Universitätsklinikum Essen ein führendes Zentrum im Bereich der Lebertransplantation sowohl national als auch international.

Die erste Nierentransplantation erfolgte bereits 1972 und Essen ist seitdem eines der größten Zentren für Nierentransplantationen in Deutschland. Die Verbesserung der Konservierungsmöglichkeiten entnommener Organe, die Entwicklung neuer Immunsuppressiva und insbesondere für dieses Patientenkollektiv spezialisierte Intensivmediziner, Chirurgen und Internisten verbesserten die Sicherheit der Transplantationen stetig. Die Transplantationszahlen haben zuletzt erneut einen starken Aufschwung genommen, so dass 2009 mit 143 transplantierten Lebern der höchste Stand seit Bestehen des Transplantationszentrums Essen erreicht wurde. Damit ist Essen wie bisher auch 2010 führend in der Eurotransplantregion. 

 

Die Transplantationsmedizin am UK Essen feierte 2008 gleich zwei Jubiläen: Die 3.000. Niere und die 1.500. Leber konnten erfolgreich verpflanzt werden. Dies war nur möglich durch die konsequente Nutzung und Weiterentwicklung der Teillebertransplantation (Split), Berücksichtigung von Spendern mit erweiterten Spenderkriterien und im Bedarfsfall, insbesondere bei Kindern, der Leberlebendspende. Zum Erfolg beigetragen hat sicher die enge Kooperation von Chirurgen, Gastroenterologen, Nephrologen, Pädiatern, Anästhesisten und Radiologen.

 

Die europaweit abnehmende Spendebereitschaft zeigt auch in Deutschland spürbare Wirkungen: Täglich sterben drei Patienten, die auf der Warteliste stehen. Da es häufig keine Möglichkeit gibt, zeitnah eine Transplantation mit einer postmortalen Organspende durchzuführen, bieten wir die Möglichkeit der Lebendspende, die dem Patienten lange Wartezeiten und Stunden der Ungewissheit erspart. 

 

Kinder als Patienten

Nicht nur Erwachsene, auch schon Kinder, sind auf eine Organtransplantation angewiesen, um angeborene Stoffwechselerkrankungen oder Fehlanlagen der Gallenwege zu behandeln. In enger Kooperation mit den Kinderärzten der Universitätsklinik haben bei uns bereits 300 Kinder eine neue Niere und 200 eine neue Leber bekommen. Diese Eingriffe bei Kindern erfordern einen hohen Spezialisierungsgrad, nicht nur für die Chirurgie und Pädiatrie, auch für die Anästhesie setzt dieses "kleine" Patientenkollektiv ein hohes Maß an Erfahrung und Wissen voraus. Im Westen Deutschlands ist das Universitätsklinikum Essen die einzige Einrichtung, die Leber- und Nierentransplantationen bei Kindern durchführt.

 

Schwerpunkt Leberversagen

Ein weiterer Schwerpunkt der Transplantationsmedizin ist die Behandlung von Patienten mit einem akuten Leberversagen. Dies bedeutet, dass ein Patient aus völliger Gesundheit heraus einen fulminanten Leberausfall erleidet. Die einzige Therapieoption besteht hier in der Lebertransplantation. Sobald sich ein irreversibler Leberschaden andeutet, im Sinne von Kreislaufinstabilität, Zunahme der Enzephalopathie (Verwirrtheit bedingt durch die Leberinsuffizienz) werden diese Patienten auf eine dafür spezialisierte Intensivstation aufgenommen und für die erforderliche Transplantation vorbereitet. 

 

Neben der Lebertransplantation durch eine Organspende von einem Verstorbenen wird in unserer Klinik die Möglichkeit einer altruistischen Spende angeboten.

Einem nahen Angehörigen wird dabei ein Teil seiner eigenen Leber entnommen. Diese Möglichkeit der Lebertransplantation nach einer Lebendspende kann die Wartezeit auf ein Minimum von wenigen Wochen verkürzen und damit lebensrettend sein. Eine optimierte organisatorische Planung und Vorbereitung der Spender- und Empfängeroperation ist bei der Lebendspende möglich, insbesondere bei einer sehr guten Qualität des Transplantates und einer sehr kurzen, kalten Ischämiezeit. 

 

Aus rechtlicher Sicht können Verwandte und nahe stehende andere Personen nach Überprüfung durch die Ethikkommission "Lebendspende" für das geplante Vorgehen freigegeben werden. Die Kommission überprüft hierbei die Freiwilligkeit der Spende und schließt finanzielle Motive des Spenders aus. Da für die Leberlebendtransplantation ein gesunder Mensch operiert werden muss, stellen wir höchste medizinische und ethische Ansprüche, um das Risiko des spenderwilligen Menschen so gering wie möglich zu halten.

 

Exzellente Diagnostik

Deshalb erfolgt die genaue Bewertung (Evaluation) von Spender und Empfänger. Eine klare Altersgrenze für die Lebendspende gibt es derzeit nicht. Besonders wichtig ist jedoch der Ausschluss kardiopulmonaler und anderer internistischer Begleiterkrankungen, insbesondere bei älteren Spendern. Die Kernspintomographie (MRT-Angiographie) bietet heutzutage ohne Strahlenbelastung eine exzellente präoperative Diagnostik. Dabei kann die Gefäßversorgung (bei der Leber auch die Gallenwege) der zu transplantierenden Organe sehr gut dargestellt werden. 

 

Leberlebendspende

Bei etwa 1.500 spenderwilligen Menschen ist in den letzten zehn Jahren die Evaluation für eine Leberlebendspende eingeleitet worden. Für einen Leberkranken wurden bis zu 12 Angehörige untersucht um zu klären, ob sie als Spender geeignet sind. Bei einigen der potentiellen Spender wurden schwerwiegende und vorher nicht gekannte Erkrankungen, insbesondere des Herz-Kreislaufsystems und genetische Erkrankungen, entdeckt und die erforderliche Behandlung eingeleitet.

 

Insgesamt konnten am Universitätsklinikum bisher 205 Lebertransplantationen nach einer Lebendspende durchgeführt werden. 44 Mal waren Kinder Empfänger einer neuen Leber. Die Nachsorge und weitere medizinische Behandlung der Lebendspender und der entsprechenden Empfänger bleibt ein wesentlicher Schwerpunkt in unserer klinischen Versorgung.

 

Nierenlebendspende

Aktuell werden in Essen etwa 20% der zu transplantierenden Nieren bei Lebendspendern entnommen. Für Kinder ist dabei die präemptive Nierentransplantation durch die Lebendspende eine attraktive Therapieoption, um eine vorhergehende Dialyse zu vermeiden.

 

Insgesamt konnten bisher 250 Nierenlebendspenden in Essen realisiert werden. Zur Nierenentnahme im Rahmen von Lebendspenden haben sich dabei sowohl die offene als auch die minimal-invasive Chirurgie (Laparoskopie) als Zugangswege etabliert. Im Einzelfall wird abgewogen, welche Technik für den Spender das optimale Vorgehen ist. 

 

Hervorzuheben bleibt das Essener Cross-over-Transplantationsprogramm. In internationaler Kooperation können wir so Patienten helfen, die nur einen Spender mit ungünstiger Blutgruppe haben.

 

Die Forschung will die Sicherheit von Spendern und Empfängern verbessern

 

Am Universitätsklinikum Essen läuft bereits seit vielen Jahren eine intensive transplantationsmedizinische Forschung.

Die Transplantation stellt einen der wissenschaftlichen Schwerpunkte der Medizinischen Fakultät dar. Sowohl klinische als auch theoretische Abteilungen arbeiten hier in verschiedensten, drittmittelgeförderten Projekten und in Zusammenarbeit mit industriellen Partnern an der Entwicklung neuer Verfahren und therapeutischer Maßnahmen.

 

2003 wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft eine Klinische Forschergruppe zum Thema "Optimierung der Leberlebendspende" bewilligt. Diese Forschergruppe ist eine von bundesweit lediglich zwei Klinischen Forschergruppen im Bereich der Transplantationsmedizin. Hier arbeiten interdisziplinär besetzte Arbeitsgruppen des Universitätsklinikums Essen mit externen Partnern, wie Fraunhofer, MEVIS und zwei Arbeitsgruppen der Universität Hamburg, eng zusammen an Fragestellungen, die vor allem der Erhöhung der Sicherheit von Spender und Empfänger dienen. Beteiligt sind eine breite Palette von Einrichtungen: die Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie, die Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie, das Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie und Neuroradiologie und die Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie (Rheinische Landeskliniken) sowie weitere Institute. 

 

 

Schnelle Impfmethoden

Die in teils experimentellen, teils klinischen Projekten bearbeiteten Fragestellungen reichen von der Optimierung der Spenderevaluation über die Entwicklung von schnellen Impfmethoden gegen Hepatitis B und C zur Übertragung des Impfschutzes mit der Teilleber vom Spender auf den Empfänger bis zur Entwicklung aufwendiger neuer Bildgebungsverfahren für eine optimale präoperative Darstellung der Blutgefäße der Leber. Hinzu kommen Untersuchungen zur Umsetzung neuer biochemischer Erkenntnisse in bessere Schutzmaßnahmen für das Transplantat, Untersuchungen zu den zellulären Signalwegen bei Stimulation der Regeneration, zur Regeneration verfetteter Lebern und zum Einfluss in einer inadäquaten Leberdurchblutung auf die Regeneration.

 

Teilaspekte hiervon sind nicht nur für die Leberlebendspende, sondern auch für die Lebertransplantation mit Organen hirntoter Spender und für große Leberoperationen von Relevanz. Einige Teilaspekte werden, mit weiteren Kooperationspartnern im Bereich des Klinikums, zudem hinsichtlich ihrer Bedeutung bei der Transplantation anderer Organe untersucht. 

 

 

Abstoßung vermeiden

Die Entwicklung von Strategien zur Unterdrückung einer möglichen Abstoßungsreaktion nach der Transplantation ist ein wichtiger Bestandteil der wissenschaftlichen Projekte in der Grundlagenforschung. Hierzu gehört auch die Etablierung eines Immunmonitorings zur medikamentösen Therapie nach Transplantation. Die Optimierung der Transplantatfunktion von Patienten nach Lebertransplantation ist ein weiterer wichtiger Bestandteil unserer wissenschaftlichen Projekte. Hierbei wird auch die Vermeidung einer Reinfektion des Transplantats durch Hepatitis B- oder C-Viren untersucht. 

 

Schonende Operationsverfahren

Aufgrund der exzellenten Ergebnisse im Kurzzeitverlauf nach Lebertransplantation hat sich die Aufmerksamkeit zunehmend auf die Verbesserung der Langzeitprognose gerichtet.

 

Aufgrund seiner breit aufgestellten Forschungsaktivitäten ist das Universitätsklinikum Essen im Bereich der Transplantationsmedizin zu den führenden Zentren nicht nur im Bundesgebiet zu zählen. 

 

Wenn sämtliche medikamentöse und konservative Therapien bei der Behandlung eines an Herz- und/oder Lungeerkrankten Patienten fehlgeschlagen sind, bleibt oft nur die Herz- oder Lungentransplantation, um das Leben des Patienten zu retten. 

 

Diese früher noch als außergewöhnlich geltenden Operationen haben sich heute fast zu Routineverfahren entwickelt. Trotz der Risiken, die immer bei Operationen von Schwerstkranken bestehen und der Gefahr einer Organabstoßung sind die Erfolgschancen seit einigen Jahren als gut bis sehr gut zu bezeichnen. 

 

Sprechstunde/ Kontakte 

 

Sprechstunde LTX Ambulanz:

Montag - Donnerstag      8:00-14:00 Uhr

 

Terminvergabe: 

Tel.: +49 (0)201 723 5147

Ansprechpartner:

Prof. Dr. med. A. Paul

Ltd. OA Prof. Dr. med. J. Treckmann

Prof. Dr. med. K. Herzer

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