Im Bereich der operativen Medizin stellt die Herzchirurgie wachsende technische Anforderungen zur sicheren Versorgung der Patienten. Daher sind die Fortschritte der modernen Herzchirurgie eng verbunden mit technischen Innovationen. Die Abteilung Kardiotechnik ist hierbei verantwortlich für Anwendung, Entwicklung und Umsetzung der technischen Unterstützung in der Herzchirurgie, sowohl während einer Operation am offenen Herzen, als auch bei der stationären Versorgung des Patienten.

„Jede herzchirurgische Operation ist heute vergleichbar mit der Aufführung einer Symphonie eines Kammerorchesters von hervorragenden Instrumentalisten. Kardiotechniker gehören zur festen Besetzung bei Eingriffen am offenen Herzen mit Hilfe der Herz-Lungen-Maschine. In einer so hochspezialisierten und technisch aufwändigen Medizin wieder Herzchirurgie kann nur das Zusammenwirken von medizinischen und technischen Spezialisten bei leichterenbis zu schwierigsten Operationen die Leistung des Kammerorchesters erbringen.“

Das interdisziplinäre Berufsfeld der Kardiotechnik umfasst an unserem Hause folgende Aufgabengebiete:

Bei den meisten Operationen am offenen Herzen ist es notwendig den Blutkreislauf des Patienten von Herz und Lungen zu trennen und das Herz still zu stellen. Hierbei werden die Vitalfunktionen von einer Herz-Lungen-Maschine übernommen, die während der Operation von einem Kardiotechniker betreut wird. Das Blut und somit der Patient werden hierbei durch differenzierteste Filter-, Pumpen- und Reservoireinrichtungen vor Schädigungen geschützt. Die mit diesem Gerät in Verbindung stehenden physiologischen Prozesse, wie z.B. aus dem protektiven Abkühlen des Patienten resultierende Verschiebungen in Blutviskosität, Säure-Base Haushalt und Sauerstoffbindung, werden vom Kardiotechniker ausgeglichen.

Die unterschiedlichen Modifikationen der Herz-Lungen-Maschine werden hierbei vom Kardiotechniker den Bedingungen der Operation und den individuellen Bedürfnissen der Patienten angepasst.

Um den Einsatz von Fremdblut (Blutkonserven) zu reduzieren, wird das patienteneigene Blut vor, während und nach der Operation aufbereitet und dem Patienten zurückgeführt. Unterschiedlichste Verfahren, wie z.B. der Einsatz der Zellseparation (Cellsavers), einer Hämofiltration (HF), der Hämodialyse oder der Autotransfusion, kommen hierbei zum Einsatz.

htc-kardiotechnik-monitoringVerschiedenste Messtechniken ermöglichen es uns, die Signale des Patienten darzustellen und gewährleisten eine umfassende Überwachung sowohl der Vitalfunktionen, als auch der Laborparameter zu jedem Zeitpunkt seines Aufenthaltes in unserem Herzzentrum. (intraoperative, diagnostische Blutdruckmessungen, EKG-Aufzeichnungen und Messung spezieller Laborparameter)
Während jeder Bypass Operation wird die Qualität der erbrachten Leistung mit der Durchführung einer Ultraschall-Blutflussmessung am Herzen gewährleistet und gibt dem Patienten die Sicherheit bester Versorgung.
Um eine ideale Versorgung der Patienten mit Sauerstoff unter Einsatz der Herz-Lungen-Maschine zu erbringen, findet bei jeder Operation ein umfassendes online Blutgasmonitoring mit modernsten Techniken statt. (CDI 500)

Nach einer Operation am offenen Herzen wird der Patient übergangsweise mit einem externen Herzschrittmacher versorgt, der individuell an die Bedürfnisse des beanspruchten Herzens adaptiert werden muss. Dies beinhaltet die Durchführung intraoperativer, elektrophysiologischer Messungen. (Reizschwellenmessung, Sondenwiderstand etc.) Ebenso wird die Bereitstellung und Funktion der Geräte durch die Abteilung Kardiotechnik gewährleistet.htc-kardiotechnik-rhythmustherapie

Die Patientenversorgung mit mechanischen Herz-, Kreislauf- und Lungenunterstützungssystemen gehört zu den Hauptaufgaben der Kardiotechnik. Neben kurzfristigen Maßnahmen, wie der „Extrakorporalen Membran Oxygenierung“ (ECMO), kommen in unserem Herzzentrum auch mittel- bis langfristige Verfahren zur Anwendung. (Intraaortale Ballonpumpe IABP)
In langjähriger Erfahrung werden am Westdeutschen Herzzentrum Kunstherzen implantiert. Hierbei werden grundsätzlich zwei Therapieansätze verfolgt:

Das Kunstherz ermöglicht es dem eigenen angegriffenen Herzen des Patienten, sich zu regenerieren (z.B. virus Myokarditis, Kardiomyopathien)

Das Kunstherz ermöglicht eine temporäre Überbrückung zur notwendigen Herz-Transplantation (Bridging to Transplant)

In die Richtung ein Tharapieansatz zu dauerhaften Ersatz des eigenen Herzens wird zur Zeit intensiv gerforscht (Total Artificial Heart)

Im Rahmen der Notversorgung und der temporären Überbrückung zur Lungentransplantation werden Patienten im Bedarfsfall ebenfalls mit mechanischen Unterstützungs-Systemen versorgt. (PECLA)
Sowohl Patienten mit Herz-Kreislauf-, als auch Lungenunterstützungssyteme werden von der Abteilung Kardiotechnik operativ, stationär und ambulant betreut.

Die individuellen Patientendaten werden verschlüsselt bei jeder Operation elektronisch erfasst und zur Dokumentation im Qualitätsmanagement herangezogen, sowie für eventuelle Forschungsauswertungen aufgearbeitet. Das Westdeutsche Herzzentrum nimmt seit Jahren an der bundesweiten herzchirurgischen Qualitätssicherung (BQS) teil. Darüber hinaus werden zur Optimierung der Prozessstruktur und Ergebnisqualität alle erhobenen Daten in einer hausinternen Auswertung verwendet.

Neben dem Einsatz der Herz-Lungen-Maschine entwirft die Kardiotechnik sowohl dem Patienten entsprechend, als auch an die jeweilige Operation adaptierte Schlauch- und Pumpenkonfigurationen in Zusammenarbeit mit ärztlichem Personal.
Operative Besonderheiten, wie eine separate Organperfusion, Linksherzbypass oder Kopfperfusionen (siehe hier), kommen hierbei ebenso zum Einsatz, wie spezielle Anschlusstechniken der Herz-Lungen-Maschine bei einem stark verkalkten Gefäß.

Die Kardiotechnik hat in der Entwicklung der Herzchirurgie mit der aktiven Teilnahme an medizinisch-technischen Forschungsprojekten erheblich am heutigen Standart moderner Operationstechniken mitgewirkt. So werden in unserem Hause differenzierteste Projekte auf internationalen Kongressen vorgestellt und innovative Ergebnisse mit der technischen Unterstützung ärztlicher Forschung erzielt. Der Gedanke einer Umsetzung modernster Techniken am Westdeutschen Herzzentrum findet somit am Beispiel minimal-invasiver Mitralchirurgie den Weg in den operativen Routinebetrieb.

Wolf-Ingo Wiese

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