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16.02.2021
Notfall Sepsis – frühes Erkennen rettet Leben - Besondere Studie an der Uniklinik Essen

Am heutigen Dienstag, 16. Februar, fällt der Startschuss der bundesweiten Kampagne „#Deutschland erkennt Sepsis“. Ins Leben gerufen wurde sie von Dr. Ruth Hecker, Chief Patient Safety Officer der Universitätsmedizin Essen und Vorstandsvorsitzende des „Aktionsbündnis Patientensicherheit“ (APS). Die Aufklärungs-Kampagne wird mit Veranstaltungen und Handlungsempfehlungen Menschen in Gesundheitsberufen – aber auch die breite Öffentlichkeit für das Thema sensibilisieren. 

 

Die Sepsis, landläufig Blutvergiftung genannt, ist eine überschießende, unkontrollierte Abwehrreaktion des Körpers auf eine Infektion. Bei einer Sepsis schädigt die körpereigene Abwehrreaktion gegen eine Infektion das eigene Gewebe und die eigenen Organe. „Die Sepsis ist ein Notfall, frühzeitiges Erkennen und Behandeln rettet Leben“, sagt Dr. Ruth Hecker. Auch Covid-19 kann eine Sepsis auslösen: „Viele Patienten, die sich mit einer scheinbar unkomplizierten Covid-19-Erkrankung zu Hause kurieren wollen, erkennen nicht rechtzeitig, wenn diese in eine Sepsis übergeht. Ein plötzliches extremes Krankheitsgefühl, hoher Puls, Fieber, Verwirrtheit oder Schüttelfrost sind ein Fall für das Krankenhaus oder den Notarzt“, so Ruth Hecker.

 

Mit etwa 75.000 Todesfällen pro Jahr ist die Sepsis mittlerweile die dritthäufigste Todesursache in Deutschland, nach Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems und Krebserkrankungen. Weltweit sterben jährlich etwa elf Millionen Menschen an einer Sepsis. „Das Tragische daran: 15.00 bis 20.000 der Fälle wären vermeidbar, wenn man die Blutvergiftung frühzeitig erkennen würde“, so Ruth Hecker.

 

Auch in der Universitätsmedizin Essen ist die frühzeitige Erkennung und Behandlung der Sepsis ein wichtiges Schwerpunktthema, das in den kommenden Jahren weiter vorangetrieben wird. „Ich finde die Kampagne großartig und immens wichtig, um in der Gesundheitsbranche, aber auch in der breiten Öffentlichkeit, Aufklärungsarbeit zu dieser schwerwiegenden Erkrankung zu leisten. Leider ist es immer noch so, dass eine Sepsis oftmals erst zu spät erkannt wird und viele Patienten daran versterben“, sagt Prof. Dr. Jochen A. Werner, Ärztlicher Direktor und Vorstandvorsitzender der Universitätsmedizin Essen.

 

Neben der Sensibilisierung für das Thema wird auch die Forschungsarbeit auf diesem Gebiet ein wichtiger Baustein an der Universitätsmedizin Essen sein. Prof. Dr. Thorsten Brenner, Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin, forscht seit Jahren auf dem Gebiet der Sepsis und widmet sich hierbei maßgeblich der frühzeitigen und zuverlässigen Identifikation von Sepsis-auslösenden Krankheitserregern.

 

„Dieser frühzeitige und zuverlässige Erregernachweis ist für den Therapieerfolg bei Sepsis essentiell, gelingt mit den bisher üblichen Methoden der Bakterienkultur allerdings häufig nicht“, sagt Prof. Brenner. Gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut in Stuttgart wurde von ihm eine neue Technologie entwickelt, die einen Innovationssprung auf dem Feld der Erregerdiagnostik darstellen dürfte. Bei diesem sogenannten „Next Generation Sequencing“ (NGS)-basierten Ansatz wird eine Blutprobe von septischen Patienten sequenziert, bioinformatisch analysiert und anschließend mit einer Erregerdatenbank abgeglichen. „Somit wird nicht der Erreger selbst, sondern nur die von ihm am "Tatort"´ hinterlassenen DNA-Spuren nachgewiesen“, erklärt Prof. Brenner. 

 

Um dieser Technologie den Weg in die klinische Routineversorgung zu ebnen, befindet sich derzeit eine multizentrische, randomisierte Interventionsstudie namens „DigiSep-Trial“ in Vorbereitung. „Hier wollen wir zeigen, dass bei Sepsis die NGS-basierte Präzisionsdiagnostik der reinen Standarddiagnostik überlegen ist“, so Brenner. Dieses Forschungsvorhaben wird für drei Jahre mit insgesamt 3,1 Millionen Euro durch den Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) gefördert.

Mehr Informationen und Material zur Kampagne unterProtected link 

 

Info! Rückfragen?
Janna Cornelißen
Universitätsklinikum Essen
Wissenschaftsredakteurin
Tel.: 0201/723-3157
janna.cornelissen@uk-essen.de
www.uk-essen.de 

Universitätsmedizin Essen
Die Essener Universitätsmedizin umfasst das Universitätsklinikum Essen sowie 15 Tochterunternehmen, darunter die Ruhrlandklinik, das St. Josef Krankenhaus Werden, die Herzchirurgie Huttrop und das Westdeutsche Protonentherapiezentrum Essen. Die Essener Universitätsmedizin ist mit etwa 1.700 Betten das führende Gesundheits-Kompetenzzentrum des Ruhrgebiets und seit 2015 auf dem Weg zum Smart Hospital. 2020 behandelten unsere rund 10.000 Beschäftigten etwa 64.000 stationäre und 300.000 ambulante Patientinnen und Patienten. Mit dem Westdeutschen Tumorzentrum, einem der größten Tumorzentren Deutschlands, dem Westdeutschen Zentrum für Organtransplantation, einem international führenden Zentrum für Transplantation, in dem unsere Spezialisten mit Leber, Niere, Bauchspeicheldrüse, Herz und Lunge alle lebenswichtigen Organe verpflanzen, sowie dem Westdeutschen Herz- und Gefäßzentrum, einem überregionalen Zentrum der kardiovaskulären Maximalversorgung, hat die Universitätsmedizin Essen eine weit über die Region reichende Bedeutung für die Versorgung von Patientinnen und Patienten. Wesentliche Grundlage für die klinische Leistungsfähigkeit ist die Forschung an der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen mit ihrer Schwerpunktsetzung in Onkologie, Transplantation, Herz-Gefäß-Medizin, Immunologie/Infektiologie und Translationale Neuro- und Verhaltenswissenschaften.