Healthy and Liveable Cities: Gebaute Umwelt, Wahr­nehmungsmuster räumlicher Bedingungen und Gesundheit in Metropolregionen ‐ Beispiel Ruhrgebiet (Sommersemester 2012)


 

Durchführung CUE in Kooperation mit Prof. J.A. Schmidt, M.C. Tran (Institut für Stadtplanung und Städtebau, Abteilung Bauwissenschaften, Fakultät für Ingenieurwissenschaften), Prof. B. Noche (Institut für Produkt Engineering, Fakultät für Ingenieurwissenschaften) und Prof. J. Böhme (Institut für Pädagogik, Fakultät für Bildungswissenschaften)

 

Allgemeine Infos

Das Projektseminar Healthy and Liveable Cities wurde im Sommersemester 2012 im Rahmen der Masterstudiengänge Urbane Kultur, Gesellschaft und Raum und Sustainable Urban Technologies durchgeführt und beschäftigte sich mit dem sozialen, wirtschaftlichen und dem kulturellen Umfeld sowie der physischen Umgebung als Determinanten für Gesundheit. Dem Ziel der Masterstudiengänge entsprechend, war das Projektseminar sowohl technik- und naturwissenschaftlich, als auch kultur- und sozialwissenschaftlich ausgerichtet. Eingebettet in den Forschungsschwerpunkt Urbane Systeme der Universität Duisburg‐Essen war das übergeordnete Ziel des Projektseminars eine Verstetigung interdisziplinä­rer Zusammenarbeit und die Qualifikation wissenschaftlichen Nachwuchses innerhalb des Profilschwerpunktes. Für den ersten Durchgang im Sommersemester 2012 waren 13 Studierende einge­schrieben, die in Kleingruppen von drei bis vier Studierenden ein Projekt gemeinsam durchgeführt haben. Die Teilnehmer kamen dabei aus den Disziplinen Stadtplanung/Städtebau, Logistik, Bildungswissenschaften, Politikwissenschaften sowie Public Health/Epidemiologie.

 

 

Aufbau

Einführung in das Projektseminar (Woche 1)

Selbständige Projektarbeit (Woche 2 – Semesterende)

Wöchentliche Projekt‐Meetings aller Studierenden mit jeweils zweiwöchigen, disziplinären Schwerpunktthemen (2. Woche – Semesterende)

Öffentliche Präsentation der Ergebnisse (Semesterende)

Abschlussbericht (nach Semesterende)

 

Grundidee

Zu den Grundideen gehörte es interdisziplinär angelegte Forschungsprojekte und Netzwerke mit zentralen Akteuren aus unterschiedlichsten Gesellschaftsbereichen der Region aufzubauen und die Ergebnisse der Projekte als Ausgangsbasis für die Entwicklung evidenzbasierter gesundheitsförderli­cher und stadtplanerischer Handlungsstrategien in einer Metropolregion wie dem Ruhrgebiet zu nutzen. Darüber hinaus sollten die die Netzwerke zur Entwicklung praxisrelevanter und innovativer Forschungsfragen im Bereich der Urbanen Systeme einbezogen werden und dabei insbesondere den teils nicht-deutschsprachigen Studierenden gesellschaftsrelevante Themen anzubieten, die sie mit aktu­ellen Forschungsmethoden direkt und praxisbezogen anwenden und erlernen können.

 

Schwerpunktthemen

-Erfassung und Erforschung spezifischer Met­ropolen‐Probleme auf den Gebieten der nachhaltigen Stadtentwicklung auf allen Ebenen: ökologisch, sozial, wirtschaftlich und kulturell;

-Veränderung von Lebensbedingungen vor dem Hintergrund wachsender Einflüsse globaler Ströme Menschen, Waren, Informationen, Bilder etc.;

-gesund­heitliche Entwicklung, Entwicklung der Gesundheitsvorsorge und medizinischen Betreuung.

 

Aufgabe

Die vier studentischen Projektgruppen beschäftigten sich intensiv mit den ihnen jeweils zugewiesenen Essener Stadtteilen Altendorf, Bochold, Frohnhausen und Schönebeck. Dazu wurden die Stadtteile charakterisiert hinsichtlich sozioökonomischer (Alter, Geschlecht, Einkommen, Arbeitslosigkeit, Bevölkerungsdichte, …) und städtebaulicher Struktur, Verkehrsinfrastruktur sowie historischer und wirtschaftlicher Entwicklungen, insbesondere unter Berücksichtigung der ruhrgebietsspezifischen Problematik des Strukturwandels. Die städtebauliche Erfassung und Kartierung der Stadtteile erfolgte vor Ort; u.a. wurden Maße wie die walkability (ein städtebaulicher Index zur Evaluation fußgängerfreundlicher Wohnumgebungen, z.B. Anzahl von Kreuzungen und Nutzungsmischung wie Einkaufsmöglichkeiten, Dienstleistungen, Schulen, Kirchen, Naherholung, ÖPNV, etc.) erfasst und typische bauliche Strukturen fotografisch festgehalten und in Plänen visualisiert. Parallel wurden themenspezifische Projekte von den Studierenden festgelegt und erarbeitet mit folgenden Titeln:

 

- Sportverhalten in urbanen öffentlichen Grünräumen.

- Bochold: Ein geteilter Stadtteil?

- Urbanität, Gesundheit & Fahrrad – eine Analyse zum Stadtteil Frohnhausen

- Auswirkungen von Grünflächen auf die Gesundheit am Bsp. Essen-Schönebeck

 

Ergebnisse

Die erzielten Ergebnisse der Studentengruppen sind hinsichtlich Umfang und der Möglichkeit allgemeingültige Aussagen treffen zu können, sicherlich begrenzt, doch konnten insgesamt gesehen einige interessante Beobachtungen gemacht werden. Beispielsweise hat die Projektgruppe zum Sportverhalten in Grünräumen des Stadtteils Altendorf in ihrem Quartier eine dichte Bebauung, einen hohen Anteil von einkommensarmen und bildungsfernen Schichten sowie junger Menschen festgestellt. Die Verbindung der räumlichen mit den sozioökonomischen Strukturen des Stadtteils Altendorf lässt darauf schließen, dass die mangelnden Bewegungsräume durch fehlende Freiflächen insbesondere Jugendliche aus unteren sozialen Schichten treffen und damit genau diejenigen, die die höchsten Krankheitsrisiken aufweisen. Der kürzlich fertiggestellt Krupp-Park kann deshalb für diese Gruppe gesundheitsförderliche Freizeitaktivitäten ermöglichen. Entsprechend haben die Studierenden eine (nicht repräsentative) Befragung von jugendlichen BesucherInnen im Krupp-Park durchgeführt, die zum einen ergab, dass „frische Luft tanken“ (Mädchen) und „auspowern“ (Jungen) die Hauptgründe für den Besuch des Parks waren und zum anderen, dass nur wenige Jugendliche überhaupt aus Altendorf kamen. Es wäre daher zukünftig also interessant zu wissen, ob die Jugendlichen aus Altendorf den Krupp-Parkt nutzen und falls nicht, die Gründe hierfür zu erforschen.

 

Die Projektgruppe zum Stadtteil Bochold fand es bemerkenswert, dass der Stadtteil neben einer hohen Bevölkerungsdichte und geringen Bevölkerungsanteilen von sehr jungen Menschen (≤ 18 Jahre) vor allem durch das Fehlen eines Ortszentrums und durch auffällige Unterschiede in u.a. Bau-, Nutzungs- sowie Sozialstrukturen zwischen dem östlichen und dem westlichen Teil des Untersuchungsgebiets gekennzeichnet ist. Diese Beobachtung wurde durch Interviews von EinwohnerInnen und Politikern aus dem Bezirk untermauert, die ergaben, dass Bochold über kein klar umrissenes Image als Stadtteil verfügt.