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20.02.2014
Medizintechnik und Gesundheitswirtschaft: Kooperation mit Japan im Fokus

Prof. Dr. Wolfgang Sauerwein begleitete Delegationsreise von NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin – Besuch bei Partner-Universität in Tsukuba/Japan

Essen, 20.02.2014 Vom 16. bis 20. Februar besuchte eine Delegation unter der Leitung von NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin im Rahmen der Unternehmerreise „NRW goes to Japan“ die Regionen Tokio und Fukushima. Im Mittelpunkt standen innovative Technologien in der Medizin- und Gesundheitswirtschaft sowie Kooperationsmöglichkeiten zwischen deutschen und japanischen Unternehmen, Forschungseinrichtungen, Kliniken und Gesundheitsdienstleistern. Mit dabei: Prof. Dr. Wolfgang Sauerwein, leitender Oberarzt der Klinik für Strahlentherapie am Universitätsklinikum Essen, der auf dem Gebiet der Strahlentherapie eine langjährige, vom Deutschen Akademischen Austauschdienst geförderte Kooperation mit der Universität Tsukuba unterhält.

 

Im Mittelpunkt dieser Kooperation steht die sogenannte „Bor-Neutroneneinfangtherapie“ (Boron Neutron Capture Therapy, BNCT). Hierbei „laden“ die Forscher und Ärzte Tumorzellen mit Bor-Atomen auf und bestrahlen das Gewebe im Anschluss mit Neutronen. Dabei werden die Tumorzellen gezielt vernichtet. Umliegende, gesunde Zellen bleiben hingegen erhalten.

Voraussetzung für eine solche Therapieform ist ein Bestrahlungsgerät, das in der Lage ist, Tumoren gezielt mit Neutronen zu bestrahlen. Hierfür war bislang ein Nuklearreaktor erforderlich, der aus Strahlenschutz-Gründen nur außerhalb von Kliniken errichtet werden konnte. In Japan ist es einem Forscherteam der Universität Tsukuba unter Leitung von Prof. Dr. Akira Matsumura in Kooperation mit Mitsubishi Heavy Industries gelungen, einen „Linearbeschleuniger“ zu entwickeln. Dieser kann sowohl die Neutronen erzeugen als auch aufgrund strahlungsarmer Technologie – wie andere Bestrahlungsgeräte – in einem Krankenhaus aufgestellt werden.

 

Das BNCT-Projekt wird im Rahmen der Medical Excellence Initiative (MEJ) der japanischen Regierung gefördert. Ziel dieser Initiative ist es zum einen, innovative Technologien aus Japan weltweit zugänglich zu machen, und zum anderen ausländischen Patienten eine medizinische Behandlung in Japan zu ermöglichen.

Begleitet wurde die Entwicklung des „Linearbeschleunigers“ von Spezialisten des Universitätsklinikums Essen, die über eine langjährige Erfahrung im Umgang mit der BNCT verfügen: Im Rahmen eines Europäischen Projektes unter Leitung von Prof. Dr. Wolfgang Sauerwein wurden bereits 1996 die ersten Patienten in Europa mit dieser Methode behandelt. Für ihn ist die Neuentwicklung des Linearbeschleunigers ein wichtiger Schritt, um noch mehr Patienten helfen zu können: „Dieser Maschinentyp bietet das Potential, zukünftig Tumoren, die bislang nicht behandelbar waren, auf schonende und wirtschaftliche Weise bekämpfen zu können. Die Therapieform soll in einigen Jahren auch Patienten in Deutschland zur Verfügung stehen.“

 

Die Delegationsreise sei hierfür ein wichtiger Ausgangspunkt gewesen: „Die Möglichkeit, diese Form der Krebsbehandlung und ihre Vorteile einer breiten Öffentlichkeit in Japan und Deutschland vorstellen zu können, ist eine Grundvoraussetzung, um das Verständnis, die erforderliche Unterstützung und neue Partner zu gewinnen“, so Prof. Sauerwein, der während der Reise mehrere Vorträge zum Thema BNCT hält.

 

Diese Einschätzung teilt auch Prof. Akira Matsumura, der die Entwicklung des „Linearbeschleunigers“ mit seinem Team maßgeblich vorangetrieben hat: „Es freut mich besonders, dass Minister Duin auf seiner Japanreise die Zeit gefunden hat, sich über unsere zukunftsweisende Technologie zu informieren. Der Standort Nordrhein-Westfalen und die Zusammenarbeit mit Prof. Sauerwein vom Universitätsklinikum Essen erscheinen uns in jeder Hinsicht ideale Voraussetzungen zu bieten, um unsere Ziele erreichen zu können.“

 

Pressekontakt:

Burkhard Büscher

Pressesprecher

Stabsstelle Marketing und Kommunikation

Tel.: 0201/723-2115

 

Nähere Informationen:

in Essen

Prof. Dr. Wolfgang Sauerwein

Klinik für Strahlentherapie

Tel.: 0201/723-2052

 

in Tsukuba

Prof. Akira Matsumura

Department of Neurosurgery

Tel.: +81/29-853-3220