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04.03.2013
Forschung zur Schizophrenie

Zusammenspiel von mütterlicher Infektion und Stress in der Pubertät begünstigt Entstehung von Schizophrenie

 

(Essen, 4.3.2013) Rund ein Prozent der Bevölkerung leidet an Schizophrenie, einer schwerwiegenden psychischen Erkrankung, die meist erst im Erwachsenenalter auftritt und nicht heilbar ist. In der psychiatrischen Forschung vermutet man schon seit Längerem, dass Umwelteinflüsse das Auftreten von Schizophrenie fördern. Vorgeburtliche Infektionen, aber auch psychischer Stress oder familiäre Vorbelastung wurden bisher als mögliche Auslöser diskutiert.

 

Eine internationale Forschergruppe unter wesentlicher Beteiligung von Mitarbeitern des Instituts für Medizinische Psychologie und Verhaltensimmunbiologie am Universitätsklinikum Essen - PD Dr. Harald Engler, Dr. Andrea Engler, Prof. Dr. Manfred Schedlowski – hat nun einen Durchbruch geschafft: Sie konnte zum ersten Mal im Tiermodell zeigen, dass eine Kombination von Infektion in der Schwangerschaft und Stress während der Pubertät eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung der Schizophrenie spielen könnte. Dazu wurden Mäuse während der Trächtigkeit mit einem viralen Mimetikum behandelt, welches zu einer moderaten Aktivierung des mütterlichen Immunsystems führt. Die Jungtiere dieser Mütter wurden dann zu Beginn ihrer Geschlechtsreife (Pubertät) einer Reihe unterschiedlicher Stressfaktoren ausgesetzt. Derart behandelte Mäuse zeigten im Erwachsenenalter starke kognitive Defizite sowie neuromorphologische und neurochemische Veränderungen, wie sie auch bei Patienten mit Schizophrenie beobachtet werden.

 

Die Resultate der Arbeit sind laut Autoren für Schwangere kein Grund zur Panik. Viele werdende Mütter haben während ihrer Schwangerschaft auch Infektionen und jedes Kind hat Stress während der Pubertät. Es hängt vermutlich aber sehr stark vom ‘richtigen‘ Zeitfenster ab, ob es zu einer Erkrankung kommt. Auch die Genetik, welche in der Studie nicht betrachtet wurde, kann eine Rolle spielen. Die Studie ist soeben in der Fachzeitschrift «Science» veröffentlicht worden.

 

Giovanoli S, Engler H, Engler A, Richetto J, Voget M, Willi R, Winter C, Riva MA, Mortensen PB, Schedlowski M, Meyer U (2013) Stress in puberty unmasks latent neuropathological consequences of prenatal immune activation in mice. Science 339: 1095-1099.

 

Weitere Informationen:

 

Universitätsklinikum Essen, Institut für Medizinische Psychologie und Verhaltensimmunbiologie
Prof. Dr. Manfred Schedlowski,
Hufelandstr. 52, 45122 Essen, Tel. 0201 723 4500, Fax 0201 723 5948