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28.02.2013
Stärkung der Allgemeinmedizin

Prof. Dr. med. Stefan Gesenhues, Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Essen

Stärkung der Allgemeinmedizin in Forschung und Lehre - Mittel für Innovationen durch Wissenschaftsministerium


(Essen, 28.2.2013) Das Wissenschaftsministerium in Nordrhein-Westfalen hat eine finanzielle Stärkung der Allgemeinmedizin an der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen angekündigt. In einer ersten Reaktion begrüßen der Dekan der Medizinischen Fakultät Prof. Dr. med. Jan Buer und der Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin am Universitätsklinikum Essen Prof. Dr. med. Stefan Gesenhues die Entscheidung als zukunftsweisend für die dringend benötigte Unterstützung zum weiteren Ausbau der allgemeinmedizinischen Lehre und Forschung.

 

Das Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf honoriert die Leistungen der Essener Medizinischen Fakultät im Fach Allgemeinmedizin und fördert nun die innovativen Lehrkonzepte und die hausärztliche Qualitätsforschung am Institut für Allgemeinmedizin vorbehaltlich der Verabschiedung des Landeshaushalts mit jährlich 235.000 € bis Ende 2014.

 

Eine immer älter werdende Bevölkerung, die Zunahme chronischer Erkrankungen, von denen viele Patienten immer häufiger mehrfach gleichzeitig betroffen sind, aber auch der Trend zur Verzahnung von stationärer und ambulanter Behandlung im Rahmen neuer integrierter Versorgungsmodelle führen zu einem steigenden Bedarf an qualifizierter hausärztlicher Grundversorgung. Diesem Erfordernis auch langfristig adäquat zu entsprechen, ist seit Jahren das erklärte Ziel des Instituts für Allgemeinmedizin, das seit 2007 als eigenständige Einrichtung des Universitätsklinikums Essen besteht. Das Dekanat der Medizinischen Fakultät fördert ausdrücklich die bereits frühe Integration von Lehrinhalten des breiten hausärztlichen Behandlungsspektrums in die medizinische Ausbildung der Studierenden durch das Institut für Allgemeinmedizin.

 

Bei der Ausbildung künftiger Hausärzte liegt Essen in NRW weit vorn. Mit 20 Plätzen für das Wahlfach Allgemeinmedizin im Praktischen Jahr (PJ) und inzwischen mehr als 100 Absolventen im PJ gilt das Institut als Spitzenreiter aller nordrhein-westfälischen Institute. Neben der didaktischen Ausbildung der Lehrenden und der Ausbildung wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts zum Master of Medical Education stehen alle Wissenschaftler und Lehrärzte durch täglich gelebte Integration von Praxis- und Hochschultätigkeit für eine alltagsrelevante, moderne hausärztliche Praxis in Lehre und Forschung.

 

Mit dem Anspruch einer nachhaltigen Vermittlung praxisrelevanter hausärztlicher Lehrinhalte an die Studierenden etablierte die Allgemeinmedizin in Essen, damals noch Lehrgebiet, deutlich früher als andernorts ihr Lehrpraxennetz mit inzwischen mehr als 200 Lehrpraxen, das sich geografisch von Städten des Ruhrgebietes bis ins eher ländlich geprägte Münsterland erstreckt. Innerhalb der Forschungsgruppe des Instituts „Aus der Praxis - Für die Praxis“ wird die exemplarische Umsetzung praxisnaher hausärztlicher Ansätze in den Lehrpraxen wissenschaftlich begleitet.
Die bundesweit einmalige Gründung eines innovativen universitären Weiterbildungsverbundes in Essen als Antwort auf den Hausärztemangel in NRW ermöglicht eine integrierte klinisch-wissenschaftliche hausärztliche Weiterbildung: Hausärzte der Zukunft erwerben zugleich eine wissenschaftliche Qualifikation.

 

Förderung der Forschung

Unterstützt durch die künftigen Landesfördermittel zur Ressourcenaufstockung zielt die Forschungsperspektive des Instituts auf die Entwicklung, Förderung und Umset-zung wissenschaftlich fundierter „Qualitätspraxen der Zukunft“. Die zukünftig in Essen organisierte, aber dezentral regional arbeitende Forschungs-Unit soll eine enge Zusammenarbeit von Einrichtungen des Universitätsklinikums Essen als Zentrum der Maximalversorgung und den Forschungspraxen als Vertretern der Hausarztmedizin koordinieren, um eine neuartige, patientenzentrierte und zugleich sektorenübergreifende Versorgungsforschung aufzubauen und die unbefriedigende Datenlage zu Krankheitshäufigkeiten und zur Versorgungssituation in NRW mit geeigneten neuen Methoden und Modellen zur Förderung der Qualität der hausärztlichen Versorgung zu verbessern.

 

Förderung der Lehre

Die Lehrveranstaltungen werden wissenschaftlich begleitet, die kontinuierlich erhaltene hohe Lernmotivation der Studierenden konnte belegt werden. Das inzwischen eingeführte Wahlfach Allgemeinmedizin im Praktischen Jahr erfreut sich großer Akzeptanz. Für die nahe Zukunft befinden sich u.a. innovative blended-learning Angebote (Lehr-/Lernkonzept in Kombination mit Präsenzveranstaltungen und computergestütztem Lernen auf Basis neuer Kommunikationsmedien) für die studentische und post-graduale Ausbildung in Vorbereitung. Insbesondere in den von Unterversorgung bedrohten Regionen in NRW sollen noch stärker als bisher Lehrpraxen als Ausbildungsort unterstützt werden, an dem die Attraktivität hausärztlicher Tätigkeit für Studierende erlebbar wird. Die Erweiterung der Lehre in den Querschnittsbereichen Geriatrie, Palliativmedizin, Prävention und Gesundheitsförderung wird durch das Institut für Allgemeinmedizin organisiert. Der Schwerpunkt Palliativmedizin fokussiert im Besonderen auf die Versorgung von Patienten mit „Nichttumor-Krankheiten“, d.h. von Menschen mit fortgeschrittenen internistischen und neurologischen Erkrankungen; in der Vergangenheit wurde dieser Großteil palliativmedizinischer Basisversorgung in der Lehre bundesweit nur geringfügig abgebildet.

 

Die Lehrforschung zielt u.a. auf Erarbeitung weiterer Evaluationstools und kompetenzorientierter Prüfungsformate zur Entwicklung einer evidenzbasierten Lehre.

 

Mit der bisherigen Ausstattung des Instituts waren die geplanten Projekte nicht zu realisieren, hebt Prof. Dr. med. Stefan Gesenhues, Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin, hervor. „Mit den angekündigten Mitteln, die wir vor allem für die Einstellung neuer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einsetzen werden, sind die vorgesehenen innovativen Konzepte für die allgemeinmedizinische Lehre und hausärztliche Versorgungsforschung umsetzbar“, sagt Gesenhues. Die bessere personelle Ausstattung werde es auch ermöglichen, allgemeinmedizinische Forschungsschwerpunkte als Querschnittsaufgaben in den wissenschaftlichen Kontext der Medizinischen Fakultät einzubinden.

 

Die Medizinische Fakultät in Essen, die heute zur Universität Duisburg-Essen gehört, ist vergleichsweise jung und feiert in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen.