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11.01.2013
Bekämpfung multiresistenter Krankenhauskeime

Prof. Dr. med. Walter Popp, Leiter der Krankenhaushygiene am Universitätsklinikum Essen

Universitätsklinikum Essen erhält Qualitätssiegel MRSA

 

(Essen, 11.01.2013) In der Bekämpfung multiresistenter Krankenhauskeime beweist das Universitätsklinikum Essen Vorreiter-Qualitäten. Insbesondere in der Eindämmung des Erregers MRSA hat sich dabei die Strategie des Klinikums bewährt: Bereits seit 2010 werden neu stationär aufgenommene Patienten auf MRSA untersucht. Mit messbarem Erfolg: MRSA-Träger werden früher erkannt und so die Übertragung innerhalb der Klinik vermieden. Im Rahmen einer Feierstunde des MRE-Netzwerk Nordwest im Essener Rathaus wurden verschiedenen Essener Krankenhäusern am Mittwoch, den 9.1.2013 nun das offizielle MRE-Siegel überreicht. Dieses steht für eine gute Hygiene im Umgang mit MRSA-Erregern.

 

Schätzungsweise 500.000 bis eine Million Menschen infizieren sich pro Jahr mit Krankenhauskeimen. 20.000 bis 40.000 Patienten sterben jährlich an der Infektion mit den multiresistenten Erregern, gegen die mit den meisten Antibiotika nichts auszurichten ist. Prinzipiell harmlos, kann insbesondere der sogenannte „Methicillin-resistente Staphylococcus aureus“ (MRSA), ein relativ häufig vorkommender Haut und Nasenschleimhaut-Keim, in bestimmten Fällen zu Infektionen führen, die sich nur schwer behandeln lassen – etwa bei Menschen mit Wunden oder einem geschwächten Immunsystem. Eine Infektion kann dann unter Umständen zu Entzündungen der Haut und Knochen, der Lunge oder zur Blutvergiftung führen. Von entscheidender Bedeutung bei der Eindämmung des Erregers ist neben größtmöglicher Hygiene in allen Bereichen der Klinik vor allem das Auffinden von MRSA-Trägern unter den Patienten.

 

Bereits seit 2010 werden daher Patienten, die am Universitätsklinikum Essen neu stationär aufgenommen werden, auf MRSA untersucht werden. Insgesamt steigt seither die Zahl der so entdeckten MRSA-Patienten im Universitätsklinikum Essen massiv an – eine Folge des Screenings und der Wiederaufnahme bekannter MRSA-Träger. „Wir können nun sehen, dass die meisten MRSA-Träger den Keim bei der Aufnahme bereits mitbringen. Das macht eine sofortige Isolierung und Behandlung möglich und schafft gleichzeitig Rechtssicherheit für unser Klinikum“,  resümiert Prof. Dr. med. Walter Popp, Leiter der Krankenhaushygiene am Universitätsklinikum Essen. Dies belegen auch Erhebungen des Essener MRE-Netzwerks (MRE: multiresistente Erreger), das vom städtischen Gesundheitsamt koordiniert wird und in dem Prof. Popp als ärztlicher Co-Leiter fungiert. Seine Abteilung ist zugleich Mitglied im MRE-Netzwerk Nordwest, das vom Bundesministerium für Gesundheit gefördert wird.

 

MRSA-Träger werden am Universitätsklinikum Essen grundsätzlich isoliert. Personal und Besucher dürfen das Zimmer nur in Schutzkleidung betreten; der infizierte Patient selbst wird umgehend und umfassend behandelt. Diese Maßnahmen werden seit April 2012 von den Krankenkassen als Ambulanzleistungen vergütet und können so vom Hausarzt fortgesetzt werden, sobald der Patient aus dem Krankenhaus entlassen ist. Im Zuge eines sogenannten MRSA-Screenings wird mittels eines Wattestäbchens ein Abstrich der Nasenschleimhaut genommen, wo bei infizierten Personen nach Erfahrungen der Hygieniker beinahe immer MRSA-Keime zu finden sind. Bei einem positiven Befund werden neben Isolationsmaßnahmen auch umfangreiche „Gegenmaßnahmen“ eingeleitet: Mittels antibakterieller Nasensalbe, Dusch- und Gurgellösungen soll der Erreger möglichst schnell und gründlich beseitigt werden.