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05.11.2012
Fortschritt in der Behandlung von Darmkrebs möglich

Dr. Stefan Kasper (Bild oben) erforscht am Westdeutschen Tumorzentrum (WTZ) in der Gruppe von Prof. Dr. Martin Schuler (Bild unten) Resistenzmechanismen gegenüber der zielgerichteten Behandlung von Darmkrebs

Fortschritt in der Behandlung von Darmkrebs möglich - DGHO Forschungs- und Innovationspreis für Dr. Stefan Kasper

 

(Essen, 6. 11. 2012) Der Forschungs- und Innovationspreis der  Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO) wurde an Dr. med. Stefan Kasper, Oberarzt der Inneren Klinik (Tumorforschung) des Universitätsklinikum Essen, verliehen. Der 34-jährige Wissenschaftler erforscht  am Westdeutschen Tumorzentrum (WTZ) in der Gruppe von Prof. Dr. Martin Schuler Resistenzmechanismen gegenüber der zielgerichteten Behandlung von Darmkrebs.

 

Dickdramkrebs ist die zweithäufigste Krebserkrankung in Deutschland mit etwa 70.000 Neuerkrankungen jährlich. Etwa die Hälfte der Patienten befindet sich in einem fortgeschrittenen Stadium der Krankheit. „Ein Hauptproblem in der Behandlung von Darmkrebs stellt die Resistenz gegenüber den eingesetzten Antikörpertherapien dar“, erläutert Prof. Dr. Martin Schuler, Direktor der Inneren Klinik (Tumorforschung) am Universitätsklinikum Essen. Eines der bedeutendsten Ergebnisse translationaler Forschung der letzten Jahre war darum die Identifikation von Mutationen der RAS Onkogene als Ursache dieser Resistenz. „Die Arbeitsgruppe am Westdeutschen Tumorzentrum konnte nun zeigen, dass diese Resistenz durch die Hochregulation des Eiweisstoffes  BCL-XL  bedingt wird" so der Vorsitzende der DGHO, Dr. Friedrich Overkamp. BCL-XL verhindert den durch Antikörper und Chemotherapien ausgelösten Zelltod. Dr. Stefan Kasper und seinem Team gelang es, durch den gezielten Einsatz von BCL-XL Inhibitoren die durch RAS-Onkogene vermittelte Resistenz gegenüber Antikörpern in vorklinischen Untersuchungen zu überwinden.  Diese Ergebnisse wurden in der renommierten Fachzeitschrift „Oncogene“ erstmals veröffentlicht. „Wir werden die gewonnenen Erkenntnisse nun im Rahmen wissenschaftlich kontrollierter klinischer Studien im Hinblick auf ihre mögliche Anwendung in der Behandlung unserer Patienten überprüfen. Strategien zur Überwindung der Antikörperresistenz sind wichtig, da mehr als 40 Prozent aller Patienten mit Dickdarmkrebs RAS-Mutationen im Tumor aufweisen", erklärt Dr. Stefan Kasper.

 

Der mit 5.000 EUR dotierte DGHO Forschungs- und Innovationspreis zeichnet herausragende Arbeiten auf dem Gebiet der Grundlagenforschung und angewandten Krebsforschung aus. "Seit 2009 erhält bereits zum zweiten Mal ein Wissenschaftler unseres Hauses den DGHO Forschungs- und Innovationspreises. Dies bestätigt, dass wir mit unserem Forschungsansatz auf dem richtigen Weg sind", freut sich Prof. Dr. Martin Schuler. Die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO) wurde 1908 zunächst von Artur Pappenheim als „Berliner Hämatologische Gesellschaft“ gegründet. Im weiteren Verlauf erweiterte die Gesellschaft ihren Forschungsschwerpunkt und erhielt 1977 ihren heutigen Namen. Die DGHO vertritt die Anliegen der hämatologischen und onkologischen Kliniken und Praxen in Forschung und Lehre, Fort- und Weiterbildung und gehört mit seinen mehr als 2700 Mitgliedern zu den größten medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften in Deutschland.

 

Das WTZ ist das einzige Onkologische Spitzenzentrum der Metropolregion Ruhr, das durch die Deutsche Krebshilfe in einem internationalen Begutachtungsverfahren ausgewählt wurde. Derzeit gibt es in Deutschland elf onkologische Spitzenzentren, davon zwei in Nordrhein-Westfalen. Das  Westdeutsche Magen- und Darmzentrum (WMDZ) Essen ist ein Zusammenschluss von vier Kliniken in Essen (Universitätsklinik Essen, Kliniken Essen-Süd, Elisabeth-Krankenhaus Essen und Katholisches Klinikum Essen), die spezialisiert sind auf die Diagnose und Behandlung von Patienten mit Magen- und Darmkrebs. Das WMDZ ist eingebunden in das WTZ und bietet den Patienten eine Behandlung ihrer Krebserkrankung auf höchstem Niveau interdisziplinär und fachübergreifend.