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02.09.2010
Durchbruch in der Behandlung von Herzkranzgefäßen

Zweite Generation der Gefäßstütze aus Magnesium

Eine neuartige Gefäßstütze (Stent) aus Magnesium haben Kardiologen am Universitätsklinikum Essen nun bei den ersten Patienten implantiert. Der Vorteil des neuen Stents: Er löst sich dank einer neuen Magnesiumlegierung langsamer auf als sein Vorgänger. Darüber hinaus nutzt er zur Beschichtung ein Medikament, das die überschießende Gewebeneubildung verhindert. „Damit gelang erneut einem Team aus Essen als erste Universitätsklinik in Deutschland einen Meilenstein in der Behandlung von erkrankten Herzkranzgefäßen zu setzen“, freut sich Prof. Raimund Erbel, Direktor der Kardiologie am UK Essen.

Bei der Behandlung von verengten Herzkranzgefäßen brachte die Aufweitung von Gefäßen mit dem Ballonkatheter 1977 einen Durchbruch in der Behandlung von Herzgefäßen. Die eigentliche weite Verbreitung dieser innovativen Therapieform war aber erst möglich, nachdem 1988 die Einsetzung von Gefäßstützen folgte. „Ein Kollaps der Gefäße war nun nicht mehr möglich, wohl aber ein überschießendes Gewebewachstum, das die Gefäßstützen zusetze. „Niemand im Bergbau gräbt ja auch einen Stollen, ohne ihn abzustützen. Eine Plastik vor dem Hauptbahnhof in Essen demonstriert dies eindrucksvoll“, so Prof. Raimund Erbel.  

Ein Kollaps der Gefäße wurde nicht mehr beobachtet. Dafür aber ein überschießendes Gewebewachstum, das die Gefäßstützen zusetze. Die Einführung einer Beschichtung der Stützen konnte dieses Problem fast vollständig beheben. Allerdings war dies mit einem neuen, aber seltenem Problem verbunden – der akuten Gerinnselbildung, die sogar Herzinfarkte auslösen kann. „Wenn ein Tunnel gebaut wird, kann nach Aushärtung des Betons die Verschalung entfernt werden. Warum sollte dies nicht auch beim Menschen möglich sein“, erläutert Prof. Raimund Erbel. Sind die Gefäße nämlich einmal aufgeweitet und abgestützt, bleiben die Gefäße offen, die Gefäßstütze wird nicht mehr benötigt. Damit die Gefäßstütze sich auflöst, entwickelten deutsche Forscher die Verwendung von Magnesium an der Stelle von Stahl oder Kobalt-Chrom Legierungen.

Am Universitätsklinikum in Essen setze Prof. Erbel in Essen 2004 weltweit dann den ersten Magnesium-Stent bei einem Patienten ein. Und tatsächlich: Der Stent löste sich auf. Aber dieser Prozess verlief zu schnell und die Gefäße verengten sich erneut. Den Forschern der Firma Biotronik, Berlin, gelang nun mit der Entwicklung des neuen Magnesium-Stents der Durchbruch.

 

 

Nähere Informationen:    Prof. Dr. Raimund Erbel, Direktor der Klinik für Kardiologie am

Westdeutschen Herzzentrum Essen Tel: 02 01 / 723-48 00,

                                   raimund.erbel@uk-essen.de