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22.07.2011
Gemeinsam gegen die Herzschwäche

Drei Essener Kliniken gründen das größte Zentrum zur Behandlung der Herzinsuffizienz im Ruhrgebiet

 

 

Um die Lebensqualität von Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz zu verbessern, haben sich das Universitätsklinikum Essen, das Elisabeth-Krankenhaus Essen sowie das Alfried Krupp Krankenhaus zusammen mit der Interessengemeinschaft Herz-Kreislaufmedizin Essen zu einer Kooperation zusammengeschlossen: dem Zentrum für Herzinsuffizienz Essen. Mit insgesamt 375 Betten zur Behandlung von Herzerkrankungen ist das neu gegründete Zentrum nun das größte seiner Art im Ruhrgebiet und Umgebung.

 

Die so genannte Herzinsuffizienz – auch als Herzschwäche bekannt – ist die häufigste Aufnahmediagnose in deutschen Krankenhäusern. Jährlich werden über 380.000 schwerkranke Patienten mit dieser Diagnose stationär aufgenommen. „Die Alterung der Bevölkerung in Deutschland wird in den kommenden Jahren zu einem weiteren Anstieg der Herzinsuffizienz beitragen. Hiervon wird insbesondere das Ruhrgebiet mit seiner erhöhten Altersstruktur betroffen sein“, erläutert Prof. Raimund Erbel, Direktor der Klinik für Kardiologie am Universitätsklinikum Essen. Aufgrund des hohen Vorkommens dieses Krankheitsbildes sowie der überproportionalen Krankheits- und Sterberate in den fortgeschrittenen Krankheitsstadien haben sich die drei Essener Krankenhäuser entschlossen, neue Konzepte der übergreifenden ambulanten und stationären Versorgung zu entwickeln. Ziele dieses Vorhabens sind insbesondere die Lebensqualität der unter einer starken Herzschwäche leidenden Patienten zu verbessern und die Sterblichkeit zu senken.

 

Wegweisendes Zukunftsprojekt

„Das neu gegründete Zentrum für Herzinsuffizienz am Gesundheitsstandort Essen ist mit seinen optimalen strukturellen Voraussetzungen ein wegweisendes Zukunftsprojekt“, so Prof. Georg V. Sabin, Direktor der Klinik für Kardiologie und Angiologie am Elisabeth-Krankenhaus Essen. Als offener Verbund umfasst das Zentrum künftig standardisierte Behandlungspfade und effiziente Therapieoptionen für Patienten im Endstadium. Der Aufbau und die Struktur des Zentrums für Herzinsuffizienz unterstützt neben der stationären auch die ambulante Versorgung der Patienten. „Der Fokus liegt dabei auf der interdisziplinären Behandlung der Herzinsuffizienz sowie der Prävention und Verminderung stationärer Aufnahmen der Stadien III –IV“, so Prof. Thomas Budde, Chefarzt der Inneren Medizin I am Alfried Krupp Krankenhaus. Und Prof. Heinz-Günther Jakob, Direktor der Klinik für Thorax- und Kardiovaskuläre Chirurgie am UK Essen, ergänzt: „Sowohl standardisierte Verfahren wie die Herztransplantation als auch innovative Behandlungsformen wie das Kunstherz können Patienten im fortgeschrittenen Stadium vermehrt und wohnortnah in hoher Qualität angeboten werden.“

 

Heart Failure Board: Essener Expertenkommission

Optimieren möchte das Zentrum für Herzinsuffizienz den Übergang zwischen Hausarzt und Facharzt beziehungsweise zwischen ambulanter und stationärer Versorgung. So können niedergelassene Ärzte im Rahmen des so genannten „Heart Failure Board“ ihre Patienten persönlich, in einer Telefonkonferenz oder auf Basis elektronisch übermittelter Befunde den Experten des Boards vorstellen und mit ihnen Therapiekonzepte entwickeln und optimieren. Besetzt ist das Heart Failure Board mit vier Herzinsuffizienz-Experten: PD Dr. Markus Kamler, Herzzentrum Essen-Huttrop, PD Dr. Till Neumann, UK Essen, PD Dr. Oliver Bruder, Elisabeth-Krankenhaus Essen, und Dr. Florian Laubenthal, Alfried Krupp Krankenhaus Essen, sowie Kollegen/Kolleginnen der Interessengemeinschaft Herz-Medizin Essen. In dringenden Fällen können die Niedergelassenen telefonisch in der entsprechenden Klinik unter der Durchwahl -4949 kontaktiert werden.

 

Neben dem Board bietet das Zentrum für Herzinsuffizienz Essen künftig auch Fortbildungsveranstaltungen, Lehrgänge sowie virtuelle Trainingskonzepte zur Prävention oder zum Screening von leichten und mittleren Formen der Herzinsuffizienz für Ärzte und Patienten an. Ziel ist, die Patienten frühzeitig in den Informationsfluss einzubinden. Dies geschieht in Kooperation mit bestehenden Selbsthilfegruppen und basiert auf den bisherigen Erkenntnissen von Trainingsprogrammen. So wird der Patient darin geschult, die Zeichen einer drohenden schwereren Herzinsuffizienz früh zu erkennen. Durch eine ambulante, optimale Therapie kann so eine Krankenhauseinweisung vermieden werden. Wesentlicher Bestandteil des neuen Zentrums ist die standardisierte Diagnostik und Therapie im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung. Hierzu entwickeln die beteiligten Kliniken auf der Basis internationaler Leitlinien so genannte „Standard Operation Procedures“. Verbessern möchten die Mediziner auch die Kommunikation zu ihren niedergelassenen Kollegen u. a. auch mit telemedizinischen Projekten. Nähere Infos auch unter: www.zentrum-herzinsuffizienz-essen.de