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01.12.2008
Neue Angriffspunkte gegen Krebs

DFG-Förderung für Essener Stammzellforschung: 460.000 Euro

 

Neue Angriffspunkte gegen Krebs

 

Stammzellen im Labor züchten, um sie in der Therapie für Menschen einsetzen zu können ? das ist die Vision von Dr. Bernd Giebel, Entwicklungsbiologe des Essener Uni-Instituts für Transfusionsmedizin. Bisher ist dies nicht möglich. So müssen beispielsweise Stammzellen für die Therapie von Leukämiepatienten von passenden Spendern entnommen werden. Dr. Giebel hofft nun mit Hilfe der Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) in Höhe von 460.000 Euro dieser Vision einen Schritt näher zu kommen. Gleichzeitig sucht er zusammen mit vier weiteren Kollegen nach neuen Angriffspunkten gegen Krebs, speziell gegenüber Leukämien.

 

Wie der Körper sich selbst erneuert

Dafür geht das Team in seiner Grundlagenforschung der Frage nach, wie blutbildende Stammzellen sich genau teilen, um den Organismus immer wieder zu ?reparieren? oder neu aufzubauen. ?In allen Organsystemen wie dem Blutsystem, dem Darm oder der Leber müssen immer wieder alternde oder durch Verletzung verloren gegangene Zellen erneuert werden?, erklärt Dr. Giebel. Nur wenige Zellen ? die so genannten Stammzellen -  sind hierzu fähig: Sie können sich teilen und so neue Zellen hervorzubringen. ?Diese Teilung muss jedoch höchst kontrolliert ablaufen. Dabei müssen die Stammzellzellen sich selbst erhalten, zum anderen aber auch für das jeweilige Organsystem passende neue Zellen hervorbringen?, so Dr. Giebel. Gerät die Teilung dabei außer Kontrolle, treten Krankheiten auf.

 

Krebs: Stammzellen außer Kontrolle

Bilden die Stammzellen beispielsweise im blutbildenden System zu wenig neue Zellen, reagiert der Körper mit Blutarmut und dadurch mit einer zu geringen Bildung von Abwehrzellen. Die Folge: Das Immunsystem ist geschwächt. Bringen die Stammzellen wiederum zu viele Zellen hervor, bilden sich Tumore oder Leukämien. ?Wenn wir besser verstehen, wie die Zelle funktioniert, welche Signalwege sie genau nutzt, dann können wir auch neue Angriffspunkte gegen Erkrankungen wie Krebs finden?, ist Dr. Giebel überzeugt. Und noch einen Schritt weiter gedacht: Wenn die einzelnen Mechanismen der Stammzellen detailliert erforscht und verstanden wurden, dann kann die Vision von ihrer ?Züchtung im Labor? wahr werden.

 

Wichtige Vorarbeiten für seine neuen Forschungen hat der erst seit kurzem in Essen arbeitende Forscher bereits in Düsseldorf geleistet. Erstmals konnte dort seine Arbeitsgruppe nachweisen, dass sich blutbildende Stammzellen asymmetrisch teilen, die Tochterzellen also unterschiedliche Eigenschaften haben. Die Wissenschaftler konnten dabei vier Proteine ausfindig machen, die die Stammzelle zu ungleichen Teilen auf ihre Tochterzellen verteilte.