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11.02.2016
Darmerkrankungen: Neuer Behandlungsansatz

Essen, 11.02.2016 – Starker Durchfall, anhaltende Bauchkrämpfe, Müdigkeit: chronisch entzündliche Darmerkrankungen sind eine große Belastung für die Betroffenen. In den Industrieländern leiden im Schnitt circa 400 von 100.000 Menschen unter ihnen. Wissenschaftler der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen (UDE) haben nun am Universitätsklinikum (UK) Essen einen vielversprechenden Ansatz untersucht, wie die Erkrankung erfolgreich lokal und nebenwirkungsarm therapiert werden kann.

 

Bei der Entstehung und Entwicklung chronisch entzündlicher Darmerkrankungen spielen Zytokine und Chemokine eine wichtige Rolle. Die entzündungsrelevanten Proteine regulieren das Wachstum und die Differenzierung von Zellen. Bisherige Therapien beruhen darauf, die Entzündung mit Hilfe monoklonaler Antikörpern abklingen zu lassen. So wie sie bisher verabreicht werden, treten dabei allerdings häufig Nebenwirkungen auf.

 

Besser verträglich sind solche medikamentösen Behandlungen, wenn sie direkt lokal im Darm wirken können. Dazu nutzt man kurze, einzel- oder doppelsträngige Ribonukleinsäure-Moleküle, sogenannte siRNA, die die entzündungsrelevanten Gene ausschalten. Weil sie sich an die von ihnen gebildete mRNA binden, entsteht kein entzündungsauslösendes Eiweiß mehr.

 

Soweit die Theorie. In der Praxis ist es jedoch schwierig, die instabilen siRNA in den Darm zu bringen. Diese Herausforderung überwanden die Forscher, indem sie stabilisierende und für den Körper unschädliche Nanopartikel nutzen. Dass dieser Weg richtig ist, zeigen die Ergebnisse der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Astrid Westendorf vom Institut für Medizinische Mikrobiologie in Kooperation mit Prof. Dr. Matthias Epple vom Institut für Anorganische Chemie: Mit Hilfe von Nanopartikeln aus Calciumphosphat und Polylactid-co-Glycolid stabilisierten sie die siRNA und brachten sie schonend in den entzündeten Dickdarm ein. Dort machten sie die entzündungstreibenden Zytokine TNF-α, IP-10 und KC unschädlich, die an der Entstehung chronisch entzündlicher Darmerkrankungen beteiligt sind.

 

Die Wissenschaftler konnten im Mausmodell nachweisen, dass die Epithel- und Immunzellen des Darms die siRNA-Nanopartikel lokal aufnehmen und die Arbeit der Zielgene deutlich unterdrücken. Prof. Astrid Westendorf: „Unsere Forschungsergebnisse belegen eindeutig, dass es sich hier um einen vielversprechenden Ansatz für die Therapie chronisch entzündlicher Darmerkrankungen handelt.“

 

Studie: Frede A, Neuhaus B, Klopfleisch R, Walker C, Buer J, Müller W, Epple M, Westendorf AM. Colonic gene silencing using siRNA-loaded calcium phosphate/PLGA nanoparticles ameliorates intestinal inflammation in vivo. Journal of Controlled Release. 2016 Jan 28;222:86-96.

Pressekontakte:

Christine Harrell

Leiterin Kommunikation & Öffentlichkeitsarbeit

des Dekanats der Medizinischen Fakultät

der Universität Duisburg-Essen

Tel.: +49 201 723 1615

 

Burkhard Büscher

Pressesprecher

Stabsstelle Marketing und Kommunikation

Universitätsklinikum Essen

Tel.: 0201/723-2115