27.07.2012
Universitätsklinikum Essen schult Angehörige in der Pflege zu Hause

Das Universitätsklinikum Essen bietet ein Beratungs- und Schulungsangebot für pflegende Angehörige an. Das Projekt „Familiale Pflege“ wendet sich an Angehörige von Patienten, die auch nach ihrem Krankenhausaufenthalt pflegerisch betreut werden müssen. Neben der Vermittlung von Pflege-Techniken wird auch die emotionale Belastung der Angehörigen nicht außer Acht gelassen. Das kostenfreie Angebot steht ausdrücklich nicht nur Angehörigen von Patienten des Universitätsklinikums zur Verfügung.

 
Die Zahl der Menschen, die von Angehörigen in den eigenen

vier Wänden gepflegt werden, nimmt immer weiter zu. Laut Aussage des Statistischen Bundesamtes Wiesbaden lag diese 2009 bundesweit bei 1,06 Millionen, ein Plus von gut drei Prozent gegenüber dem Jahr 2007 - Tendenz weiter steigend. „Menschen, die sich entschließen, einen pflegebedürftigen Angehörigen zu Hause zu betreuen, stehen vor einer besonderen Herausforderung“, erläutert Irene Maier, Pflegedirektorin am Universitätsklinikum Essen. Hier gilt es, die richtigen Techniken zu erlernen, aber auch Ansprechpartner zu kennen und sich so ein Netzwerk aufzubauen, um in dieser schwierigen Situation möglichst viel Unterstützung zu finden. „In unserem Projekt „Familiale Pflege“ vermitteln wir grundlegende Pflege-Techniken und können ganz gezielt auf die individuellen Fragen der Teilnehmer eingehen“, so Irene Maier. Das Einüben bestimmter pflegerischer Handlungen wird von speziell geschulten Pflegeexperten direkt am Bett des Patienten eingeübt. Ängste in Bezug auf das Aufstehen aus dem Bett oder das Reichen von Nahrung werden so genommen. Aber auch Wahrnehmungsfähigkeit und Sensibilität in Bezug auf die Krankenbeobachtung werden geschult. Neben der Förderung der pflegerischen Kompetenz lernen die Teilnehmer, sich in der Bewältigung von Krisen zu stärken und können sich mit anderen Betroffenen austauschen. Darüber hinaus erhalten die Angehörigen Informationen rund um das Gesundheitswesen, wie z.B. über mögliche Leistungen.

Die Familiale Pflege setzt sich aus drei Komponenten zusammen: Angehörige von Patienten des Klinikums werden im Rahmen von bis zu sechs 30-minütigen Einzelpflege-Trainings vor Ort auf der Station individuelle Tipps und Ratschläge für die Pflege ihres Angehörigen vermittelt. Die zweite Komponente, die Pflegekurse, richten sich auch Angehörige von Patienten, die nicht am Universitätsklinikum behandelt wurden sowie an interessierten Bürger aus der Region und ehrenamtliche Mitarbeiter im Gesundheitswesen. In Gruppen von bis zu acht Teilnehmern geht es in den Kursen um Pflegetechniken, Netzwerkarbeit und die Förderung der Selbsthilfe. „Wir halten die Gruppen bewusst klein, um auch auf individuelle Fragen und Problemstellungen eingehen zu können“, erklärt Petra Runge-Werner, die als Pflegeexpertin am Universitätsklinikum das Projekt leitet. Die drei jeweils zweieinhalbstündigen Kurseinheiten finden mehrmals im Jahr statt. Die dritte Komponente besteht in einem Gesprächskreis für Angehörige. Dieser findet einmal im Quartal statt. Hier erfahren die Teilnehmer Neuigkeiten in Bezug auf Pflege und Pflegetechniken und können sich untereinander austauschen. Voraussichtlich bereits Ende dieses Jahres soll dann die vierte Komponente an den Start gehen: das Aufsuchende Pflegetraining. Hier werden Angehörige von Patienten des Essener Universitätsklinikums bis zu sechs Wochen nach der Entlassung zu Hause besucht. Und dies so oft, wie es die individuelle Situation erforderlich macht.

Finanziert wird das für die Teilnehmer kostenfreie Projekt über die Stiftung Universitätsmedizin Essen, die AOK sowie die Universität Bielefeld. Das Beratungs- und Schulungsangebot des Universitätsklinikums Essen wurde bereits 2007 gestartet und nach und nach weiter ausgebaut. „Heute beschäftigen wir zwei Mitarbeiterinnen, die eigens für die Familiale Pflege tätig sind“, so Petra Runge-Werner. Weitere Informationen erhalten Interessenten unter: http://www.uk-essen.de/pflegeklinik/.

Hintergrund:

 

Als Krankenhaus der Maximalversorgung ist das Universitätsklinikum Essen heute „das Klinikum der Metropole Ruhr“ und verfügt über 27 hochmoderne Kliniken und 1.291 Betten, 20 Institute in rund 70 Gebäuden. Mit seinen mehr als 5.300 Mitarbeitern behandelte das Universitätsklinikum Essen im vergangenen Jahr 47.823 Patienten stationär und 156.275 Patienten ambulant. Neben den übergreifenden Forschungsgebieten Genetische Medizin sowie Immunologie und Infektiologie konzentriert sich das UK Essen seit Jahren erfolgreich auf drei Schwerpunkte: Herz-Kreislauf, Onkologie und Transplantation. Mit dem Herzzentrum in Essen-Huttrop hat des UK Essen seine Kapazitäten in der Herzchirurgie deutlich erweitert. Mit dem Zentrum für Terminale Herz- und Lungenkrankheiten und der Ruhrlandklinik existiert zudem eine Anlaufstelle für schwerstkranke Patienten, die in anderen Krankenhäusern oft nicht mehr behandelt werden können. www.uk-essen.de