(Essen, 2. Juli 2012) Am Universitätsklinikum wird ein ganz besonderes Jubiläum gefeiert: 40 Jahre Nierentransplantation. Am 5. Juli 1972 verpflanzte Prof. Dr. Dr. h. c, Friedrich-Wilhelm Eigler mit seinem Team erstmals einem Patienten in Essen erfolgreich die Niere eines Verstorbenen. Inzwischen ist das Universitätsklinikum deutschlandweit eines der führenden Zentren für Transplantationen. Am kommenden Donnerstag findet ab 13 Uhr im Medizinischen Zentrum ein Tag der offenen Tür statt, um über das Thema Nierentransplantation zu informieren.Rund 3.500 nierenkranke Patienten haben in den vergangenen 40 Jahren im Universitätsklinikum Essen ein neues Organ erhalten. „Obwohl die Zahl der Organspender rückläufig ist, haben wir im vergangenen Jahr bei 156 Patienten eine Niere transplantiert, so viele wie nie zuvor innerhalb eines Jahres. Essen als Transplantationsstandort hat sich im Lauf der Jahre etabliert. Wir haben ein umfangreiches Netzwerk mit vielen Kliniken und nephrologischen Zentren im gesamten Ruhrgebiet bis hin zum Sauerland und Rheinland aufgebaut“, weiß Prof. Dr. Andreas Kribben, Direktor der Klinik für Nephrologie. Dass in Essen immer mehr Nieren verpflanzt werden, liegt auch an der großen Warteliste. So warten allein an der Klinik für Nephrologie mehr als 500 Nierenkranke auf ein neues Organ. Groß ist die Warteliste auch deutschlandweit. Etwa 8.000 Patienten warten auf eine neue Niere. „In Deutschland gibt es jährlich rund 2.700 Nierentransplantationen. Wegen des ungünstigen Verhältnisses von verfügbaren und benötigten Nieren müssen Dialysepatienten oft vier bis acht Jahre warten, bis sie ein Organ zugeteilt bekommen. Für Prof. Dr. mult. Eckhard Nagel, Mitglied im deutschen Ethikrat und Ärztlicher Direktor am Universitätsklinikum Essen, ein Zustand, den man so nicht hinnehmen kann: „Wir leben in einer Gesellschaft, in der Organtransplantationen ein unverzichtbarer Teil des Gesundheitssystems sind. Jeder, der an diesem Gesundheitssystem teilnimmt, muss sich der Frage stellen, ob er oder sie zur Organspende bereit ist.“ Er plädiert für die Pflicht, sich zu entscheiden. Prof. Dr. Andreas Kribben macht darauf aufmerksam, dass die Patienten unter der oft langen Wartezeit gesundheitlich leiden: „Die frühzeitige Transplantation ist die beste Therapie bei einer schwerwiegenden Funktionsstörung der Niere. Die Dialyse kann die Reinigungsfunktion nur zu einem Teil übernehmen. Über die Jahre setzten sich viele Giftstoffe im Körper eines Nierenkranken ab, die ihn schädigen.“ Da aufgrund der mangelnden Spenderorgane Nieren fehlen, gewinnt auch die Methode der Lebendspende zunehmend an Bedeutung. So bekamen im vergangenen Jahr 44 Patienten, davon fünf Kinder, eine Niere von einem Lebenden gespendet – etwa vom Ehepartner oder einem Elternteil. Denn ein Grundsatz gilt: Je kürzer Zeit der Dialyse und je früher die Transplantation – umso besser für den Patienten. Die Mediziner am Universitätsklinikum haben daher auch weitere Methoden entwickelt, die Lebendspende zu fördern. So können nierenkranke Patienten beispielsweise seit 2005 ein Organ bekommen, obwohl der Spender eine andere Blutgruppe aufweist. Aber auch in der Forschung der herkömmlichen Organspende hat sich vieles gegenüber den Anfangsjahren verbessert. „Viel und erfolgreich geforscht haben wir in der Konservierung von Organen Verstorbener. Die Qualität der Transplantate ist heute deutlich verbessert: Sie werden somit auch weniger häufig vom Empfänger wieder abgestoßen“, erläutert Prof. Dr. Andreas Paul, komm. Direktor der Klinik für Allgemein- und Transplantationschirurgie. Auch das heutzutage viel mehr Organe von Toten genutzt werden können, hat dazu beigetragen, dass viele Kranke von der positive Entwicklung in der Transplantationsmedizin profitieren konnten. An der heutigen Pressekonferenz zum Thema „40 Jahre Nierentransplantation am Universitätsklinikum Essen“ nahm auch eine Patientin teil: Angelika Schmitz wurde vor drei Monaten eine Niere ihres Mannes als Lebensspende übertragen. Heute geht es ihr wieder richtig gut und sie möchte über das Themen Lebendspende aufklären, damit auch anderen Menschen möglichst schnell geholfen werden kann. Bildunterschrift: Prof. Dr. mult. Eckhard Nagel, Prof. Dr. Dr. Friedrich Wilhelm Eigler, Angelika Schmitz und Prof. Dr. Andreas Kribben informieren heute am Universitätsklinikum essen über das Thema Nierentransplantation. Hintergrund: Als Krankenhaus der Maximalversorgung ist das Universitätsklinikum Essen heute „das Klinikum der Metropole Ruhr“ und verfügt über 27 hochmoderne Kliniken und 1.291 Betten, 20 Institute in rund 70 Gebäuden. Mit seinen mehr als 5.300 Mitarbeitern behandelte das Universitätsklinikum Essen im vergangenen Jahr 47.823 Patienten stationär und 156.275 Patienten ambulant. Neben den übergreifenden Forschungsgebieten Genetische Medizin sowie Immunologie und Infektiologie konzentriert sich das UK Essen seit Jahren erfolgreich auf drei Schwerpunkte: Herz-Kreislauf, Onkologie und Transplantation. Mit dem Herzzentrum in Essen-Huttrop hat des UK Essen seine Kapazitäten in der Herzchirurgie deutlich erweitert. Mit dem Zentrum für Terminale Herz- und Lungenkrankheiten und der Ruhrlandklinik existiert zudem eine Anlaufstelle für schwerstkranke Patienten, die in anderen Krankenhäusern oft nicht mehr behandelt werden können www.uk-essen.de |
02.07.2012
40 Jahre Nierentransplantation am Universitätsklinikum Essen





