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14.02.2011
Rekordzahlen bei Organtransplantationen

Trotz Organmangels: Steigende Zahlen bei Leber-, Nieren- und Knochenmarktransplantationen im Universitätsklinikum Essen

Das Universitätsklinikum Essen transplantiert immer mehr Patienten ein neues, lebenswichtiges Organ. „Im vergangenen Jahr haben unsere Chirurgen 340 Patienten eine Niere, eine Leber, eine Bauchspeicheldrüse, Lungen oder ein neues Herz verpflanzt. Damit haben sich die Transplantationszahlen, die in den letzten Jahren bereits einen starken Aufschwung genommen hatten, mit rund zehn Prozent enorm weiterentwickelt“, erläutert der Ärztliche Direktor des UK Essen Prof. Dr. Dr. Dr. Eckhard Nagel. Er freut sich, dass Essen seine Position als eines der führenden Zentren der Eurotransplantregion damit weiter ausgebaut hat.


Vorhandene Spenderorgane können besser genutzt werden

Eine besondere Bedeutung kommt am UK Essen der Nieren- und Lebertransplantation zu. „Trotz viel zu wenigen Organen, die uns von Eurotransplant insgesamt angeboten werden, haben sich die steigenden Zahlen aus den Vorjahren bei diesen Organen weiter fortgesetzt. Wir haben im vergangenen Jahr hier 158 Lebern und 141 Nieren verpflanzt“, ergänzt Prof. Andreas Paul, Kommissarischer Direktor der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie. Dass diese Organe gehäuft verpflanzt werden konnten, war nur durch die konsequente Nutzung und Weiterentwicklung der Lebendspende und unter Berücksichtigung von Spendern mit erweiterten Spenderkriterien möglich. „Insbesondere Kinder profitieren von den verbesserten Möglichkeiten in der Transplantationsmedizin. So hat sich die Zahl der Kinder, denen eine Leber transplantiert wurde, in 2010 mehr als verdreifacht. Unter ihnen waren ungewöhnlich viele Säuglinge, insgesamt 13. Erfreulicherweise haben 95 Prozent der Kinder überlebt. Eine besondere Herausforderung, da gerade Transplantationen bei so kleinen Patienten besonders schwierig sind“, sagt Prof. Dr. Peter F. Hoyer, Direktor der Kinderklinik II. Zum ersten Mal führten die Essener Ärzte zudem sogenannte blutgruppeninkompatible Lebertransplantationen bei Kindern durch. In diesem Fall stimmen die Blutgruppe von Spender und Empfänger nicht überein. Diese Methode gibt es europaweit bisher sehr selten. „Die drei auf diese Weise transplantierten Kinder konnten schon drei bis vier Wochen nach der Operation entlassen werden. Ihnen ging es zu diesem Zeitpunkt bereits sehr gut“, berichtet Peter Hoyer. Trotz verbesserter Möglichkeiten Organe zu nutzen, warten durch den gravierenden Organmangel beispielsweise viele erwachsenen Nierenkranke jahrelang auf eine Spenderniere. „Die Nieren-Lebendspende ist eine überaus wichtige Therapieoption, um Wartezeiten zu vermeiden und Folgeschäden zu verhindern. Heute transplantieren wir unter bestimmten Umständen sogar dann, wenn Spender und Empfänger ungleiche Blutgruppen haben“, so Direktor Prof. Andreas Kribben aus der Klinik für Nephrologie.


Führend bei Knochenmarktransplantationen

Führend ist das Universitätsklinikum Essen – und hier die Klinik für Knochenmarktransplantation – auch bei der sogenannten allogenen Stammzelltransplantation. Dieses Therapieverfahren wird bei zahlreichen bös- und auch gutartigen Erkrankungen der Blutbildung und des lymphatischen Systems eingesetzt. „Die allogene Stammzelltransplantation ist für diese Erkrankungsformen eine bewährte Therapie. Sie bietet den betroffenen Patienten eine hohe Heilungschance. Essen ist auf diesem Gebiet in der Anzahl behandelter Patienten als auch in der Forschung in Europa führend“, erklärt Prof. Dietrich Beelen, Direktor der Klinik für Knochenmarktransplantation. Da längst nicht immer ein passender, gewebsverträglicher Spender gefunden werden kann, steht die Entwicklung innovativer Transplantationstechniken im Mittelpunkt der Forschung. Im Verbund mit anderen universitären Zentren in Europa entwickeln Mediziner in Essen Transplantationsverfahren, die insbesondere älteren Patienten oder Patienten mit Stammzelltransplantation limitierenden Vorerkrankungen zugutekommen. So leitet die Klinik für Knochenmarktransplantation die weltweit größte Studie für ältere Patienten, die am häufigsten von unheilbaren, bösartigen Erkrankungen der Blutbildung betroffen sind.


In der Vergangenheit kamen als Spender vorwiegend gewebsverträgliche Geschwister blutbildender Stammzellen in Betracht. Mittlerweile werden jedoch für 90 Prozent aller Patienten geeignete, gewebsverträgliche nicht verwandte Spender im weltweiten Verbund der Spenderregister gefunden. „Dank der hohen Zahl potenzieller nicht verwandter Spender erhalten wir nun jedes zweite Stammzelltransplantat aus Deutschland. Durch die wachsende Verfügbarkeit gewebsverträglicher Spender können wir Jahr für Jahr mehr Transplantationen vornehmen“, verdeutlicht Dietrich Beelen. So sind am UK Essen die Transplantationszahlen in seiner Klinik seit dem Jahr 2000 um fast 50 Prozent angestiegen.


Transplantationen in 2010 (Vorjahr)

Leber                                       158 (143)

Niere                                       141 (123)

Niere/ Bauchspeicheldrüse           5 (5)

Lunge                                        28 (30)

Herz                                            8 (3)

Knochenmark                           188 (181)