Am Universitätsklinikum Essen ist die Zahl wundgelegener Patienten in den vergangenen zehn Jahren nachhaltig zurückgegangen. Dies geht auf das 2002 eingeführte Dekubitus-Management zurück. Pflege, Ärztlicher Dienst und Qualitätsmanagement haben es sich gemeinsam mit klinikeigener IT und Medizinischer Informatik zum Ziel gesetzt, sowohl die Prävention als auch die Behandlung von Druckgeschwüren auf Basis neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse kontinuierlich zu verbessern.Ein Dekubitus ist ein Geschwür, das bei fortwährender Druckeinwirkung entsteht, umgangssprachlich spricht man von „Wundliegen“. Das gezielte Dekubitus-Management wurde 2002 am Universitätsklinikum Essen eingeführt und widmet sich der Prävention und der Optimierung der Behandlung von Durchliegegeschwüren, den sogenannten Dekubitalulzera. „Alle stationären Patienten werden bei ihrer Aufnahme ins Universitätsklinikum Essen und während ihres Aufenthaltes vom Pflegefachpersonal gezielt auf einen etwaigen Dekubitus untersucht und gegebenenfalls therapeutisch versorgt“, erläutert Irene Maier, Pflegedirektorin am Universitätsklinikum Essen. Dies geschieht unter anderem durch Experten einer interdisziplinär zusammengesetzten Wundsprechstunde. Um Qualität und Erfolg der Behandlung überprüfen zu können, werden vorliegende Druckgeschwüre in einer zentralen Datenbank erfasst und kontinuierlich durch speziell ausgebildete Pflegefachkräfte ausgewertet. Darüber hinaus werden sämtliche Pflegekräfte in der Dekubitusprohylaxe geschult. Zudem wurden sämtliche der knapp 1.300 Betten mit speziellen Anti-Dekubitus-Schaumstoffmatratzen ausgestattet. Dies zahlt sich aus: Heute liegen die Dekubitus-Rate im gesamten Universitätsklinikum bei 2,5 Prozent, einem sehr niedrigen Wert. „Medizinisch betrachtet handelt es sich bei einem Dekubitus um eine Ernährungsstörung der Haut und des Unterhautgewebes“, erklärt Irene Maier. Diese entstehe durch anhaltenden Druck und die Einschnürung von Blutgefäßen. Geht man nicht gezielt dagegen vor, stirbt die Haut ab und muss chirurgisch entfernt werden. Zudem können Infektionen auftreten. Beim Dekubitus gibt es verschiedene Schweregrade, die man in vier Stufen unterteilt: Beim ersten Grad ist die Haut noch intakt, zeigt aber eine umschriebene Rötung, beim zweiten Grad kommt der Defekt der Haut hinzu, beim dritten Grad handelt es sich bereits um einen tiefen Hautdefekt; Muskeln, Sehnen und Bänder werden sichtbar und beim vierten Grad sind auch die unterliegenden Knochen beteiligt. Am häufigsten tritt ein Dekubitus bei Bettlägerigkeit auf und ist darum für das Universitätsklinikum Essen mit seinen knapp 50.000 Patienten im Jahr von besonderer Bedeutung. „Gefahr besteht vor allem für diejenigen Körperstellen, an denen sich keine oder nur wenig Muskulatur zwischen der Haut und den darunterliegenden Knochen befindet. Ein Dekubitus kann aber auch unter schlecht sitzenden Prothesen oder zu engen Gipsverbänden auftreten“, erklärt Petra Runge-Werner, Pflegeexpertin am Universitätsklinikum Essen. Muss ein Dekubitus behandelt werden, ist es in der Regel bereits zu spät. Am Universitätsklinikum Essen setzt man darum stark auf die Vorbeugung, damit es erst gar nicht zu einem Druckgeschwür kommt. Ärztlicher Dienst, Pflegedienst, IT-Abteilung und Medizinische Informatik sind am Dekubitus-Management beteiligt. Gemeinsam verfolgen sie das Ziel, die Qualität der Patientenversorgung durch den Gewinn neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse und deren Umsetzung in die Praxis kontinuierlich zu verbessern. Hintergrund:
Als Krankenhaus der Maximalversorgung ist das Universitätsklinikum Essen heute „das Klinikum der Metropole Ruhr“ und verfügt über 27 hochmoderne Kliniken und 1.291 Betten, 20 Institute in rund 70 Gebäuden. Mit seinen mehr als 5.300 Mitarbeitern behandelte das Universitätsklinikum Essen im vergangenen Jahr 47.823 Patienten stationär und 156.275 Patienten ambulant. Neben den übergreifenden Forschungsgebieten Genetische Medizin sowie Immunologie und Infektiologie konzentriert sich das UK Essen seit Jahren erfolgreich auf drei Schwerpunkte: Herz-Kreislauf, Onkologie und Transplantation. Mit dem Herzzentrum in Essen-Huttrop hat des UK Essen seine Kapazitäten in der Herzchirurgie deutlich erweitert. Mit dem Zentrum für Terminale Herz- und Lungenkrankheiten und der Ruhrlandklinik existiert zudem eine Anlaufstelle für schwerstkranke Patienten, die in anderen Krankenhäusern oft nicht mehr behandelt werden können. www.uk-essen.de |
31.07.2012
Dekubitus-Management am Universitätsklinikum Essen senkt Zahlen wundgelegener Patienten


