Drucken - Print
19.10.2012
Mit T-Zellen gegen Krebs

sagt Prof. Dr. Dietrich W. Beelen, Projektinitiator für das Universitätsklinikum Essen

Netzwerk „Zelluläre Tumortherapie Nordrhein-Westfalen“ - Mit T-Zellen gegen Krebs

(Essen, 19. Oktober 2012) Potenzial für einen deutlichen Fortschritt auf dem Weg zu kurativen Krebstherapien bietet die sogenannte zelluläre Immuntherapie. Arbeitsgruppen aus dem Westdeutschen Tumorzentrum (WTZ) am Universitätsklinikum Essen erforschen seit rund einem Jahr gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Köln und dem Biotechnologieunternehmen Miltenyi Biotec, Bergisch Gladbach, im Netzwerk „Zelluläre Tumortherapie“ (NZT.NRW) gezielte Einsatzmöglichkeiten von T-Zellen. Die Arbeiten am WTZ werden durch die Europäische Union und das Land Nordrhein-Westfalen mit einer Millionen Euro gefördert. Das WTZ ist eines von elf onkologischen Spitzenzentren in Deutschland.

 

Viele Krebserkrankungen sind bis heute nicht heilbar, sondern können allenfalls in ihrem Verlauf verlangsamt werden. Ziel einer zellulären Immuntherapie ist es, das Immunsystem des Patienten so zu beeinflussen, dass es den Tumor selbstständig eliminiert oder in Schach hält. Dies könnte insbesondere über den gezielten Einsatz von sogenannten T-Zellen, den weißen Blutzellen, gelingen, die hochspezifisch individuellen Krebs zerstören. Hier möglichst schnell anwendbare Verfahren für die klinische Praxis zu finden, ist das Ziel des NZT.NRW, das vor rund einem Jahr an den Start gegangen ist. „Mit dem Projekt ist ein leistungsfähiges Netzwerk in Nordrhein-Westfalen entstanden, das innovative Therapieansätze und Technologien für die zelluläre Immuntherapie entwickeln und frühzeitig aus dem Labor in die klinische Anwendung bringen soll“, sagt Prof. Dr. Dietrich W. Beelen, Projektinitiator für das Universitätsklinikum Essen. Das WTZ erarbeitet derzeit drei potenzielle Krebstherapien:

 

Zum einen sucht die Klinik für Dermatologie unter Leitung von Prof. Dr. Dirk Schadendorf nach spezifischen Strukturen auf Gefäßen, die ein Melanom mit Nährstoffen versorgen. Ließen sich diese Gefäße über den Einsatz von T-Zellen gezielt abtöten, würde der Tumor buchstäblich „ausgehungert“.

 

Die Klinik für Knochenmarktransplantation unter Leitung von Prof. Dr. Dietrich W. Beelen wiederum arbeitet gemeinsam mit dem Institut für Transfusionsmedizin, geleitet von Prof. Dr. Peter Horn daran, T-Zellen methodisch gegen Leukämiezellen einzusetzen. In etwa 75 Prozent aller Fälle von akuter myeloischer Leukämie etwa findet man das Wilms’ Tumor-1-Protein (WT-1) mutiert oder überexprimiert, also in extrem großen Mengen an der Zellhülle. Ziel ist es, genau die Leukämiezellen zu zerstören, die das Eiweiß verstärkt an der Zellhülle tragen.

 

In enger Zusammenarbeit zwischen der Universitäts-Hals-Nasen-Ohren-Klinik von Direktor Prof. Dr. Stephan Lang, der von Herrn Prof. Dr. Martin Schuler geleiteten Inneren Klinik (Tumorforschung) und dem Institut für Transfusionsmedizin schließlich wird der Einsatz von T-Zellen zur Therapie von Kopf-Hals-Tumoren erforscht. In rund einem Viertel der Fälle werden diese Tumoren durch humane Papilloma-Viren (HPV) ausgelöst. Prof. Dr. Sven Brandau, Forschungsleiter der HNO-Klinik: „Warum die patienteneigenen T-Zellen die Viruserkrankten Krebszellen nicht erkennen, ist bisher nicht klar. Wir wollen T-Zellen generieren, die die Virenbefallenen Zellen erkennen und somit den Krebs abtöten.“

 

Im April 2009 wurde das Westdeutsche Tumorzentrum Essen (WTZ), ein sogenanntes Comprehensive Cancer Center nach amerikanischem Vorbild, als onkologisches Spitzenzentrum in Deutschland anerkannt. Heute ist das WTZ Deutschlands größtes Tumorzentrum – Tendenz weiter wachsend. Interdisziplinarität und die Arbeit in Netzwerken sind die entscheidenden Erfolgskriterien für die Behandlung von Krebspatienten. Mit einem umfangreichen Tumorregister, der Zentralisierung der Biobank und dem Aufbau eines Patienteninformationszentrums verfügt das WTZ zudem über eine erstklassige Infrastruktur. Das WTZ schreibt seine Erfolgsgeschichte weiter fort: In den letzten vier Jah-ren lag der Zuwachs der Patienten im zweistelligen prozentualen Bereich. „Die Qualität unserer Arbeit hat sich herumgesprochen. Heute haben wir uns sowohl bei Patienten als auch bei zuweisenden Ärzten als feste Größe etabliert“, erklärt Prof. Dr. Angelika Eggert, Direktorin des WTZ. In Bezug auf die Anzahl jährlich behandelter Krebspatienten ist das WTZ sogar das größte Tumorzentrum Deutschlands. So wurden im Jahr 2011 knapp 12.000 Neu-Diagnosen gestellt und insgesamt über 25.000 stationäre und 80.000 ambulante Patientenvorstellungen gezählt. Und dies in Bezug auf eine Vielzahl verschiedener Tumorarten: Denn das WTZ bildet die Klammer um 15 hochspezialisierte Or-ganzentren, wie das Essener Brust-, Darm-, Lungen-, Hauttumor- und das Gynäkologische Krebszentrum. Diese sind auf die Behandlung von Patienten mit bestimmten Organtumoren spezialisiert.